Sa, 20. Oktober 2018

Soforthilfe kommt

09.03.2012 21:13

Euro-Gruppe gibt weitere Milliarden für Griechen frei

Nach dem erfolgreichen griechischen Schuldenschnitt haben die Euro-Finanzminister Freitagmittag eine erste Tranche des zweiten Hilfspakets für das pleitebedrohte Land freigegeben. 35,5 Milliarden Euro werden nun nach Athen überwiesen - ein erster Vorschuss auf das neue, insgesamt 130 Milliarden Euro schwere Rettungspaket der Euro-Staaten.

Als Voraussetzung für die zweite große Rettungsaktion Europas hatte der historische Schuldenschnitt gegolten, den die Griechen Freitag früh nach Verhandlungen mit ihren privaten Gläubigern verkündet hatten. Diese verzichten auf rund 100 Milliarden Euro - siehe Story in der Infobox.

Grünes Licht nach Telefonkonferenz
Euro-Gruppen-Chef Jean-Claude Juncker (rechts im Bild mit dem griechischen Finanzminister Evangelos Venizelos) erklärte, man habe sich in einer Telefonkonferenz darauf geeinigt, weiteres Geld freizugeben. Alle Bedingungen seien erfüllt. Nach Angaben des deutschen Finanzministeriums stehen nun insgesamt 35,5 Milliarden Euro - 30 Milliarden zur Unterstützung des Schuldenschnitts plus 5,5 Milliarden für die Begleichung von Zinsen - bereit.

Eine endgültige Entscheidung über das grundsätzlich bereits beschlossene Gesamtpaket soll Anfang kommender Woche in Brüssel fallen. "Materiell besteht kein Zweifel darüber, dass wir nächste Woche die Freigabe des zweiten Pakets beschließen können", sagte Deutschlands Finanzminister Wolfgang Schäuble am Freitagnachmittag. Auch der IWF dürfte sich laut Schäuble "bedeutend" an dem Paket beteiligen - was zuletzt infrage stand. Athen ist bereits seit dem Jahr 2010 auf internationale Hilfsgelder angewiesen - schon damals hatte Europa mit rund 110 Milliarden Euro ausgeholfen.

Zwangsmaßnahme gegen sture Gläubiger
Juncker erklärte, die Euro-Gruppe sei über die hohe Beteiligung bei dem als freiwillig bezeichneten Schuldenschnitt "ermutigt". Die Finanzchefs zeigten sich auch zuversichtlich, dass sich noch mehr Gläubiger als bisher an dem Angebot für Anleihen unter internationalem Recht beteiligen würden. Finanzminister Venizelos versicherte am späten Freitagnachmittag, dass Athen seine verpflichtenden Umschuldungsklauseln ziehen werde, um verbliebene Privatgläubiger von Anleihen unter griechischem Recht zur Umschuldung zu zwingen. Dies sei kurz zuvor bei einer Kabinettssitzung beschlossen worden.

Papademos sieht "historischen Moment"
Griechenlands Ministerpräsident Lucas Papademos bezeichnete den Schuldenschnitt als "historischen Moment". Die Bemühungen der Griechen dürften nun aber nicht nachlassen, sagte er am Freitagabend in einer TV-Ansprache. "Es liegt an uns, den Kurs des Landes zu ändern. Wir haben noch eine Chance. Lasst uns sie nicht verpassen." Das Land bewege sich jetzt "weg vom Treibsand". Mit der Minderung der Schulden um rund 100 Milliarden Euro könnten die Griechen optimistisch in die Zukunft blicken.

Papademos erinnerte seine Landsleute daran, dass viele Menschen große Verluste einstecken mussten, damit der Schuldenschnitt zustande kommt. Dies sollte die Griechen dazu bewegen, über "ihre Fehler nachzudenken". Der Schuldenschnitt sei das Fundament für die Stabilisierung der Wirtschaft. Zudem sei dies der Anfang, damit im Land wieder investiert werde und neue Arbeitsplätze für junge Menschen geschaffen würden. Den Griechen stünden noch schwierige Zeiten bevor. Es gebe aber nun "Hoffnung", aus dieser schlimmsten Krise der Nachkriegszeit herauszukommen.

Schäuble: "Euro bleibt stabile Währung"
Laut dem deutschen Finanzminister Schäuble habe Griechenland nun jedenfalls eine gute Chance, aus der Schuldenfalle zu kommen, denn es sei eine Grundlage für die Schuldentragfähigkeit bis 2020 gelegt worden. Auch die Euro-Zone sei demnach auf einem guten Weg aus der Schuldenkrise. "Ich bin nicht euphorisch, wir sind noch nicht über den Berg. Aber wir haben einen wichtigen, großen Schritt erreicht", so Schäuble. Die Umschuldung in Athen stabilisiere Europa: "Der Euro bleibt eine stabile Währung, und die Euro-Zone ist eine starke Wirtschaftsgemeinschaft."

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