Do, 13. Dezember 2018

Zweifel an Kampagne

09.03.2012 13:17

YouTube-Jagd auf Kony gerät unter schweren Beschuss

Wie ein Lauffeuer hat sich die Kampagne gegen den Anführer der "Lord's Resistance Army" (LRA), Joseph Kony, im Internet ausgebreitet. Der Film "Kony 2012", der als Kernstück der Aktion zur Festnahme des berüchtigten Gotteskriegers von Uganda führen soll, hat am Freitag die 50-Millionen-Marke auf YouTube geknackt. Doch zugleich gerät auch die NGO "Invisible Children", die hinter der Kampagne steckt, immer mehr unter Beschuss.

Das erklärte Ziel der Aktion "Kony 2012" ist es, den Kriegsverbrecher bis Ende des Jahres zu fassen und Gerechtigkeit walten zu lassen (siehe Infobox). Um die Idee in die Tat umzusetzen, hat die Organisation "Invisible Children" einen Film ins Netz gestellt sowie eine Unterschriftenpetition gestartet und zu Spenden aufgerufen. Die Reaktionen sind allerdings gemischt und reichen von Lob bis zu harscher Kritik.

Film laut Kritikern voller Klischees
Gegner sind der Ansicht, dass der Film unter anderem inhaltliche Fehler habe und nicht gut genug recherchiert sei. Vor allem sei das Video mit persönlichen Bemerkungen gespickt und voller Klischees. Vor allem heißt es aber, dass die Internet-Offensive dem Präsidenten Yoweri Museveni in die Hände spiele.

Der ist schon seit 1986 an der Macht, hat keine Absichten, in Bälde abzutreten - und konnte in seiner Amtszeit lange nichts gegen Kony und dessen Schergen ausrichten. Der Staatschef geht hart gegen jede oppositionelle Bewegung vor und lässt Homosexuelle verfolgen. Sein Name wird in dem Film nicht einmal erwähnt.

Fehlende Transparenz bei NGO-Finanzen
Auch sei nicht klar, was "Invisible Children" mit dem gespendeten Geld genau vorhat. Viele Beobachter haben deshalb die finanzielle Gebarung der NGO ins Visier genommen. "Visible Children", ein Blog auf der Internetplattform "Tumblr", und auch zahlreiche Medien setzten sich ausführlich mit der Beurteilung der Rechtmäßigkeit der "Kony 2012"-Kampagne auseinander.

Demnach sah sich "Invisible Children" in der Vergangenheit mehrmals Vorwürfen mangelnder Transparenz bei seinen Finanzen ausgesetzt. So lukrierte die registrierte Non-Profit-Organisation im Vorjahr rund 8,6 Millionen Dollar an Spenden, wie in dem Blog erläutert wird. Davon flossen aber lediglich 32 Prozent in direkte Leistungen, wie den öffentlich einsehbaren Daten der NGO zu entnehmen ist.

NGO-Chefs kassierten fettes Jahresgehalt
Der Rest wurde für die Bezahlung der Mitarbeiter verwendet - die drei Betreiber von "Invisible Children", darunter der Macher des Films, kassierten jeweils rund 89.000 Dollar - und in Reise- und Transport- sowie Filmproduktionskosten gesteckt. Diese Aufteilung sei bei weitem nicht ideal, so die Kritik.

Der Charity-Navigator, die größte unabhängige US-Organisation zur Evaluierung von Wohltätigkeitsvereinen, benotete "Invisible Children" jedenfalls nur mit 2 von 4 möglichen Sternen. Die NGO lasse ihre Finanzen nicht extern prüfen, hieß es dazu in der Begründung. Die Betreiber begründeten die schlechte Benotung wiederum mit dem Fehlen eines fünften Mitglieds in ihrem Aufsichtsrat - man sei jedoch auf der Suche.

Was bleibt am Ende von Kampagne?
Ein weiterer brisanter Kritikpunkt betrifft nicht zuletzt auch die Methoden der Kampagne, die voll auf Social-Media-Plattformen setzt. Dadurch, so der Vorwurf, fördere "Invisible Children" lediglich sogenanntes "Slacktivism". Dahinter steckt die Idee, dass sharing, liking und retweeting alleine, also der Informationsaustausch im Netz, ein Problem lösen könne.

Dieser Annahme folgend, genüge es von Konys Existenz und Verbrechen zu wissen, um ihn zu Fall zu bringen, schreibt dazu etwa der Blogger Elliot Ross. Was aber wird bleiben, "wenn die Euphorie verflogen und die Tränen der Twittersphäre (wahrscheinlich bis Ende der Woche) getrocknet sind", bringt Ross das Problem auf den Punkt.

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