Mi, 17. Oktober 2018

Einsatz verteidigt

08.03.2012 19:54

"Lieber Diskussion über neun Schüsse als tote Polizisten"

Der Wiener Polizeipräsident Gerhard Pürstl (im Bild) hat am Donnerstagabend in der ORF-Sendung "Wien Heute" den Einsatz seiner Beamten verteidigt, die am Mittwoch eine tobende Frau im Wiener Bezirk Rudolfsheim-Fünfhaus durch neun Schüsse lebensgefährlich verletzt hatten. Ihm sei eine Diskussion über neun Schüsse jedenfalls lieber als eine über einen verbluteten Polizisten, erklärte der 49-Jährige. Indes ringt die schwer verletzte Frau weiter mit dem Tod.

"Es steht hier ein Messer im Mittelpunkt", dieses sei "als Waffe in der Hand eines Attentäters absolut gefährlich", so Pürstl in der ORF-Sendung.

Es sei "leider polizeiliche Erfahrung", dass es insbesondere bei tobenden Personen mit Psychosen immer wieder Einsätze gebe, bei denen diese selbst den Einsatz von Schusswaffen nicht sofort spüren würden, meinte der Polizeipräsident. Unter anderem wies er auf den Adrenalinausstoß hin. Die betreffenden Personen würden zwar Sekunden später zusammenbrechen, aber im ersten Moment nicht mitbekommen, dass sie getroffen wurden.

Pürstl: Erste Treffer wirkungslos
Es habe in dem Fall in Rudolfsheim-Fünfhaus mehrere Treffer am Körper gegeben, sagte Pürstl. "Diese Treffer sind vorerst wirkungslos geblieben, die Frau hat den Angriff fortgesetzt, und da gilt es den Angriff zu stoppen." Der Polizeipräsident weiters: "Mir ist es lieber, eine Diskussion über neun Schüsse zu führen, als eine Diskussion über einen Beamten, der in der Wohnung eines Attentäters verblutet."

Der Einsatz eines Tasers hätte Pürstl zufolge vermutlich genützt. Derzeit sind aber nur Sondereinheiten wie die Wiener Einsatzgruppe Alarmabteilung (WEGA) damit ausgerüstet. Es sei schwierig, den Beamten noch mehr Ausrüstung mitzugeben, als sie ohnehin schon mit sich führen müssten, sagte der oberste Wiener Polizist. Zudem wäre es eine logistische Herausforderung in der Ausbildung, wenn alle rund 6.000 Beamten in der Bundeshauptstadt einen Taser erhalten sollten.

Frau rief selbst die Feuerwehr
Laut ersten Ermittlungen dürfte die Frau am Mittwoch in der Nacht selbst die Feuerwehr gerufen und angegeben haben, dass es in ihrer Wohnung in der Goldschlagstraße in Rudolfsheim-Fünfhaus brenne. Die Feuerwehr rückte daraufhin verstärkt durch Polizisten zu dem vermeintlichen Feuer aus. In dem Haus gab es dann zwar keinen Brand, doch bereits im Stiegenhaus waren Polizeisprecherin Michaela Schnell zufolge die lautstarken Schreie der Frau zu hören.

Die Einsatzkräfte fanden schließlich die Wohnung, aus der die Schreie kamen, und öffneten gewaltsam die Türe. Kaum waren die Polizisten in der sehr engen Wohnung, verstummten die Schreie plötzlich. Die Einsatzkräfte durchsuchten daraufhin die Zimmer nach der Frau. In der Küche waren die Wasserhähne aufgedreht und der Raum bereits leicht überschwemmt. Plötzlich hörten die Beamten dann wieder laute Hilfeschreie aus dem Badezimmer.

Neun Schüsse auf Tobende abgegeben
Als Beamte anschließend die Türe zum Bad gewaltsam öffneten, dürfte die 37-Jährige umgehend mit zwei Küchenmessern auf den ersten Polizisten losgegangen sein. "Er konnte aber irgendwie ausweichen", sagte Schnell. Was dann passierte, ist noch nicht geklärt: Die Frau dürfte jedenfalls einen anderen Beamten attackiert haben, woraufhin ein Kollege – nachdem der Einsatz von Pfefferspray keinen Erfolg zeigte – das Feuer auf sie eröffnete. Insgesamt wurden neun Schüsse auf sie abgegeben.

Ersten Ermittlungen zufolge steht im Raum, dass der Polizist die Schüsse nicht hintereinander, sondern in mehreren Tranchen abgab, da die 37-Jährige ihre Attacken nicht stoppte. Schließlich wurde die Frau mit schwersten Verletzungen an Oberkörper, Armen und Beinen ins AKH gebracht, wo sie mehrmals operiert werden musste. Die Polizisten wurden einvernommen, der Schütze wird psychologisch betreut.

Staatsanwaltschaft ermittelt
Die Staatsanwaltschaft hat inzwischen Ermittlungen wegen Notwehrüberschreitung aufgenommen. Jener Polizist, der die Schüsse abgab, und die anderen Beamten wurden auf Sonderurlaub geschickt.

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