Bitterböse Parodie
Sexy Rebellin zu Pro-Putin-Video “gezwungen”
Während sich am Donnerstag mehr als 100.000 Anhänger von Noch-Regierungschef Wladimir Putin in Moskau zu einer Kundgebung versammelten, um die Präsidentschaftskandidatur des 59-Jährigen zu unterstützen, stellte Ksenia Sobchak ein Video auf YouTube, das nach nur einem Tag bereits rund 400.000 Mal angeklickt wurde.
Die in der Regel makellos gepflegte Prominente wirkt in dem Clip blass und zerlumpt, als sie vor laufender Kamera einen Text herunterleiert. "Ich habe beschlossen, für diesen Kandidaten zu stimmen, weil die Wirtschaft und der Lebensstandard in unserem Land viel besser geworden sind", liest sie mit nervösem Blick von einem Skript ab.
"Müssen uns um einen Anführer scharen"
"Er ging schon immer auf jede Forderung ein. Er hat uns allen geholfen und...", so Sobchak weiter, "...vor allem jetzt, mit der Bedrohung durch eine Orangene Revolution wie in Syrien oder Libyen, dürfen wir nicht für Aufruhr sorgen. Wir müssen uns um einen Anführer scharen. Deshalb habe ich diese schwierige Entscheidung getroffen."
Die Kamera zoomt dann hinaus, um in einem vergrößerten Bildausschnitt zu zeigen, dass Sobchak an einen Stuhl gefesselt ist. Neben ihr tritt ein bedrohlich aussehender Mann in Lederjacke ins Bild. "Gute Arbeit", sagt er zu Sobtschak, als er ihr den Kopf tätschelt und den Mund mit Klebeband abdeckt, um die verzweifelten Schreie der jungen Frau zu dämpfen. Zwei maskierte Polizisten tragen sie schließlich aus dem Bild.
"War alles in Ordnung mit der Kamera? War der Ton in Ordnung?" fragt der Mann nach Sobchaks "Abgang" die Filmcrew. "Okay, dann wollen wir Wenediktow reinbringen", spielt er auf den Chefredakteur des Kreml-kritischen Radiosenders Echo Moskwy, Alexej Wenediktow, an.
High Society zu Putin-Unterstützung genötigt?
Außer Frage steht auch, auf wen Sobchak mit dem namentlich nicht genannten Kandidaten anspielen möchte - Wladimir Putin. Das zweifellos witzige Video produzierte die als russische Paris-Hilton-Kopie berühmt gewordene 30-Jährige anlässlich eines durchaus besorgniserregenden Hintergrundes: den Bemühungen des Kremls, die russische High Society zur Unterstützung Putins zu "bewegen".
So soll etwa die beliebte Schauspielerin Chulpan Khamatova unter Druck gesetzt worden sein, um sie von ihrem Auftritt als eines der Putin-Testimonials zu überzeugen. Medienberichten zufolge habe man ihr mit Rufschädigung und dem finanziellen Aus für ihre gemeinnützige Organisation für krebskranke Kinder gedroht. Zudem mehrten sich in den letzten Wochen die Berichte über öffentlich Bedienstete, die unter Androhung des Jobverlusts zum Besuch von Pro-Putin-Kundgebungen genötigt worden sein sollen.
Vom It-Girl zur ernst zu nehmenden Polit-Talkerin
Ksenia Sobchaks Video beweist jedenfalls: Die 30-Jährige ist von einem High-Society-Girl zu einer ernst zu nehmenden Stimme der russischen Opposition herangewachsen, die nicht davor zurückschreckt, ihre Kritik an der politischen Lage des Landes öffentlich und lautstark kundzutun. Und nach der plötzlichen Absetzung ihre Polit-Talkshow auf dem TV-Sender MTV zeigt sie in ihrer neuen Sendung auf dem unabhängigen Fernsehkanal "dozhd TV", dass sie auch durchaus ein qualifizierter Interviewer sein kann.
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