"Ein unfaires Urteil"

Iraker nach Quasi-Freispruch für US-Marine enttäuscht

Ausland
25.01.2012 09:40
"Wir sind bitter enttäuscht über dieses unfaire Urteil", erklärte Khalid Salman Rasif, ein Provinzpolitiker aus Haditha, nachdem am Dienstag bekannt worden war, dass US-Marine Frank Wuterich für das Massaker an 24 Zivilisten vor sieben Jahren keinen einzigen Tag im Gefängnis verbringen wird müssen (siehe Infobox). "Der Soldat erhält eine Strafe, die gerade für ein Verkehrsvergehen ausreichen würde."

Ein öffentlicher Aufschrei in der irakischen Kleinstadt mit etwa 85.000 Bewohnern blieb zwar aus, die Verbitterung über den Quasi-Freispruch sitzt aber tief, vor allem auch weil die irakische Regierung in dieser Causa keinen Finger rührte. 

"Wir machen unsere Behörden dafür verantwortlich, dass diese Kriminellen (die acht US-Marines, Anm.) nicht im Irak vor Gericht stehen mussten", erläuterte etwa Awis Fahmi Hussein, ein 45-jähriger Regierungsangestellter, der das Massaker im Jahr 2005 mit einem Schuss in den Bauch überlebte, der Nachrichtenagentur AP.

"Haben mit dieser Angelegenheit nichts zu tun"
Und tatsächlich hält sich die Reaktion der offiziellen Stellen - dezent ausgedrückt - in Grenzen. "Wir haben mit dieser Angelegenheit nichts zu tun", verlautbarte etwa der stellvertretende Justizminister des Iraks, Busho Ibrahim, am Dienstag. Ein Sprecher von Premier Nuri al-Maliki wiederum erbat sich gegenüber der AP noch etwas Bedenkzeit: "Solch ein Fall muss besonders gut studiert werden, bevor man ein Statement dazu abgeben kann."

Der Fall zeigt jedenfalls auch die tiefe Spaltung der irakischen Gesellschaft, wodurch die mehrheitlich schiitische Regierung verschiedenen Volksgruppen mit eigenen Interessen gegenübersteht. Im vor allem von Sunniten bevölkerten Haditha wurden etwa in letzter Zeit auch Stimmen laut, welche die Untätigkeit der Behörden auf eine Frage der Religion reduzierten.

Stundenlanger Rachefeldzug gegen 24 Zivilisten
Das US-Magazin "Time" hatte das Haditha-Massaker 2006 ans Licht gebracht. Nach dem Tod eines Kameraden war eine Gruppe Marineinfanteristen im November 2005 zu einem regelrechten Rachefeldzug durch die irakische Stadt gezogen. Stundenlang gingen sie von Haus zu Haus und töteten insgesamt 24 Bewohner, unter ihnen war auch ein Mann im Rollstuhl. In den USA wurde dieser Vorfall immer wieder auch mit dem Massaker von My Lai, dem wohl bekanntesten US-Kriegsverbrechen während des Vietnamkrieges, verglichen.

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