Stadt eingenommen

Libyen: Gadafi-Anhänger kämpfen noch immer

Ausland
23.01.2012 21:20
Drei Monate nach dem Tod des libyschen Ex-Machthabers Muammar al-Gadafi kämpfen dessen Anhänger immer noch. Nach blutigen Gefechten brachten sie am Montag die Wüstenstadt Bani Walid unter ihre Kontrolle und töteten fünf Ex-Rebellen, wie der örtliche Beamte M'Barek al-Fotmani der Nachrichtenagentur AFP mitteilte. Er befindet sich derzeit in einem von Gadafi-Getreuen umzingelten Militärstützpunkt.

Unter den Getöteten sei auch der Kommandant der Brigade, zudem seien etwa 30 Ex-Rebellen verletzt worden. Die Gadafi-Anhänger hatten zunächst den Stützpunkt der früheren Rebellen angegriffen. Anschließend gelang es ihnen, die Kontrolle über die Stadt zu gewinnen. Laut Augenzeugen wurden bei den Kämpfen auch schwere Panzerabwehrwaffen eingesetzt. 

Wie der Sprecher des Stadtrats von Bani Walid, Mahmud al-Werfelli, erklärte, hissten die Gadafi-Kämpfer anschließend die grüne Flagge des Gadafi-Regimes. Das südwestlich von Tripolis gelegene Bani Walid galt lange als Gadafi-Hochburg und war während des monatelangen Volksaufstandes eine der letzten Bastionen seiner Anhänger. Wenige Tage vor dem Tod des früheren Machthabers Mitte Oktober nahmen Kämpfer des libyschen Übergangsrats die Stadt ein.

Kämpfer des Übergangsrats auf dem Weg nach Bani Walid
Kurz nach Bekanntwerden der Eroberung machten sich Kämpfer des Übergangsrats auf den Weg in die etwa 150 Kilometer entfernte Stadt. Ein Vertreter der Luftwaffe erklärte, es würden auch Kampfflugzeuge entsandt. In der Hauptstadt selbst verstärkten die Sicherheitskräfte ihre Präsenz.

Am Wochenende war es auch in Bengasi, wo der Aufstand gegen Gaddafi begonnen hatte, zu Gewalt gekommen. Demonstranten hatten am Samstag den Sitz des Übergangsrats gestürmt und geplündert. Die Ernennung von Oberst Youssef al-Mangouch zum Generalstabschef der neuen Armee hatte heftige Streitigkeiten zwischen verschiedenen Gruppierungen von früheren Aufständischen ausgelöst, die gegen das Gaddafi-Regime gekämpft hatten.

Verwirrung um Prozess gegen Saif al-Islam
Unterdessen gab der Internationale Strafgerichtshof IStGH bekannt, noch keine Entscheidung über den anstehenden Prozess gegen Gadafi-Sohn Saif al-Islam getroffen zu haben. Damit trat er Aussagen des libyschen Justizministers Ali Khalifa Ashhur entgegen. Dieser hatte erklärt, der IStGH habe dem Antrag Libyens auf einen Prozess in der Heimat des Angeklagten zugestimmt.

Dem bekanntesten Sohn Gadafis werden Verbrechen gegen die Menschlichkeit vorgeworfen. Saif al-Islam wurde im November in der Wüste festgenommen. Er hatte ab den 1990er-Jahren teilweise in Österreich gelebt und in Wien studiert. Saif al-Islam unterhielt unter anderem enge Beziehungen zum 2008 tödlich verunglückten Kärntner Landeshauptmann Jörg Haider und damaligen FPÖ-Funktionären.

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