Zündende Idee

Löst der Ikea-Sack das Problem brennender E-Autos?

Motor
15.08.2023 10:17

Elektroautos brennen statistisch gesehen nicht so oft wie Verbrenner. Aber wenn es passiert, beginnen die Probleme: Sie sind immens schwer zu löschen. Eine deutsche Feuerwehr hat jedoch offenbar eine zündende Idee gehabt und verkauft nun „Löschsäcke“.

(Bild: kmm)

Obwohl noch nicht als gesichert gilt, dass ein Elektroauto die Brandkatastrophe auf dem Frachter Fremantle Highway ausgelöst hat, brandet die Diskussion um die Feuersicherheit von E-Autos erneut auf. Zu Recht. Denn herkömmliche Löschmethoden können elektrische Brände nur begrenzt und nicht dauerhaft eindämmen. Was das auf einem Schiff bedeutet, kann man sich leicht vorstellen.

Viel über die Sicherheitsvorrichtungen von Schiffen ist bislang nicht an die Öffentlichkeit gedrungen, doch man darf getrost davon ausgehen, dass die Reedereien auf E-Auto-Brände nicht sonderlich gut vorbereitet sind. Zu aufwendig, zu teuer. Und hier kommt der sogenannte „Recover E Bag“ ins Spiel.

Das ist eine überdimensionale Tasche, in die das brennende E-Auto gepackt werden kann. Der Löschsack für E-Autos ist speziell darauf ausgelegt, schnell auf elektrische Brände in E-Fahrzeugen zu reagieren, denn eine Stahlwanne zur effektiven Kühlung des Unfallfahrzeugs zum Unfallort zu transportieren dauert oft zu lange oder ist gänzlich unmöglich.

Ein riesiger Wassersack
„Wenn es auf Schiffen brennt, kommt natürlich nicht die Feuerwehr“, sagt Harald Samoiski von der Bad Homburger Feuerwehr, der gemeinsam mit Feuerwehr-Kameraden den Sack entwickelt und gemeinsam mit einer Firma aus dem Westerwald auf den Markt gebracht hat. Dann komme es darauf an, die Lage schnell zu stabilisieren, und das heißt, das Fahrzeug dauerhaft zu kühlen. Der Recover E Bag ist seiner Meinung nach derzeit die einzige Möglichkeit, ein brennendes E-Auto auf Schiffen in den Griff zu bekommen. Das System sei so konzipiert, dass ein geschultes Team den 2000 Euro teuren Sack in drei bis vier Minuten einsatzfähig hat. Gefüllt wird der Sack je nach Fahrzeuggröße mit rund 1500 Litern Wasser; auf See kann das auch Salzwasser sein.

Bevor das Auto in die Tasche gesteckt werden kann, wird es auf maximal 70 Grad heruntergekühlt, damit man sich ihm nähern kann. „Dann können wir das Fahrzeug an der B-Säule so weit anheben, dass der Sack von hinten untergezogen werden kann. Danach wird die andere Seite des Fahrzeugs angehoben und der Sack hochgezogen. Wichtig zu wissen ist: E-Auto-Brände sind nicht explosiv, es gilt, den Akku dauerhaft zu kühlen, damit er sich nicht wieder entzündet“, erläutert Samoiski. Und: „Wir können mit unserem System nicht das “Auto löschen„, sondern greifen in den Batteriebrand ein, der nach den konventionellen Löschmaßnahmen weiterläuft.

Nicht nur auf Schiffen, nicht nur für E-Autos
Der Sack kann auch an anderen schwer zuglänglichen Orten eingesetzt werden, wie etwa in Tiefgaragen, wo man ebenfalls keine Stahlwanne einsetzen kann, in die man das Auto hineinheben könnte. Auch bei Abschleppunternehmen werde der Sack wegen des geringen Packmaßes und der einfachen Bedienung geschätzt. Und man könne ihn auch zur Bekämpfung von Bränden bei Verbrennern nutzen. “Als in Bad Homburg jüngst ein Auto gebrannt hat, haben wir es kurzerhand in den Sack gepackt und mit Löschschaum umhüllt, damit sich keine Benzindämpfe bilden konnten", sagt Harald Samoiski.

Und wie entstand nun die anti-entzündliche Idee? Bei der Fahrt zu Oma und Opa packte die Tochter von Harald Samoiski ihr Bobbycar in eine große Ikea-Tasche ein - da sprang der Funke über. (SPX)

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(Bild: kmm)



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