Als Gastredner am Stephansplatz traten Franz Hörmann, Professor für Unternehmensrechnung an der Wirtschaftsuniversität Wien, Martin Balluch, Obmann des "Vereins gegen Tierfabriken" und der Kabarettist Roland Düringer auf. Die Pausen füllte der Wiener Rapper "Kilez More". Mitveranstalter Philipp Janyr zeigte sich zufrieden mit der Anzahl der Protestteilnehmer.
Düringer stellte gleich zu Beginn seines Auftritts fest, dass er kein "Wutbürger" sei. Er nutze die Einladung zu seiner - wie er selbst betonte - ersten öffentlichen Rede, um sich davon zu distanzieren, als Aushängeschild der "Occupy"-Bewegung zu gelten.
Die Angst vor etwas, das noch gar nicht eingetreten ist, sei sehr gefährlich, warnte Düringer angesichts des "Occupy"-Slogans "Wir sind 99 Prozent": "Wenn wir die 99 Prozent sind, dann muss ein Prozent schuldig daran sein, dass wir Probleme haben." Der Kabarettist forderte statt Schuldzuweisungen die Entwicklung vom "Wutbürger" zum "Mutbürger", der selbstkritisch ist.
"Wir sind eine tolerante Organisation"
Im Vorfeld hatte Gastredner Franz Hörmann insofern für Unmut gesorgt, als dass ihm Facebook-User vorwarfen, als Mitglied der Partei "HuManWeg Bewegung Österreich" antisemitisches Gedankengut zu unterstützen. Am Sonntag erklärte dann ein "Occupy"-Mitveranstalter: "Wir sind eine tolerante Organisation und lassen alle Menschen zu Wort kommen, solange das, was sie sagen, wissenschaftlich ist. Wir distanzieren uns von sämtlichen Parteien und politischen Organisationen." Eine Absage des Auftritts von Hörmann stand laut Janyr für die Organisatoren, die sich generell bewusst im Hintergrund halten würden, nicht zur Diskussion.
Hörmann erklärte daraufhin in seiner Rede die Theorien, die man in seinem mit dem Wirtschaftswissenschaftler Otmar Pregetter verfassten Buch "Das Ende des Geldes" nachlesen kann: Zinsen seien systemintern gar nicht bezahlbar, eine auf Geld basierende Ökonomie sei daher ein Enteignungssystem, das alle paar Jahre zusammenbrechen muss. Hörmann forderte ein neues System, das auf Wissen und Bildung basiere - an erster Stelle müsse dabei die "Herzensbildung" stehen.
Martin Balluch sprach über Menschenrechte und berichtete aus eigener Erfahrung: Vor vier Jahren wurde er als Verdächtiger festgenommen. Er betonte, dass er es der Öffentlichkeit verdanke, die sich solidarisiert und für ihn eingesetzt habe, dass er aus dem Gefängnis entlassen und später freigesprochen wurde.
"Ungerechtigkeit trifft alle, auch die Alten"
Unter den Teilnehmern befanden sich großteils junge Erwachsene, aber auch Familien mit an den Kinderwagen befestigten Transparenten und ältere Menschen. Eine 51-jährige Wienerin erklärte, was sie auf den Stephansplatz trieb: "Ich bin noch nie auf einer Demonstration gewesen, aber ich finde diese Bewegung gut und möchte die Jugend unterstützen. Die Ungerechtigkeit trifft alle, auch die Alten. Aber vor allem geht es mir darum, wie wir die Welt den Jungen hinterlassen."
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