Streit um Seestraße

USA warnen Iran vor Überschreiten der “roten Linie”

Ausland
13.01.2012 16:39
Washington hat laut US-Medien über "geheime Kommunikationskanäle" eine direkte Warnung an das geistliche und politische Oberhaupt des Iran, Religionsführer Ayatollah Ali Khamenei, geschickt. Mit einer Blockade der für die internationalen Öltransporte strategisch wichtigen Seestraße von Hormus würde die "rote Linie" überschritten - und eine US-amerikanische Reaktion notwendig, hieß es darin, wie die "New York Times" am Freitag unter Berufung auf Mitglieder der US-Regierung berichtete.

Der Westen verdächtigt den Iran, an Atomwaffen zu arbeiten. Die Führung in Teheran bestreitet dies. Die EU und die USA haben kürzlich eine Verschärfung der Sanktionen gegen den Iran beschlossen, um weiter Druck auf das Regime auszuüben. Der Iran reagierte darauf Ende Dezember mit einem Marinemanöver im Golf (Bild) und der Drohung, die Straße von Hormus zu sperren, durch die etwa 40 Prozent des weltweit über den Seeweg transportierten Erdöls geht.

Iran: "Kontrollieren die gesamte Region"
Zudem kündigte Teheran ein weiteres Seemanöver in dem Gebiet an. Die Übungen im Februar konzentrierten sich diesmal direkt auf die Straße von Hormus, sagte der Marinekommandant der Revolutionsgarden, Ali Fadavi, am Donnerstag nach Angaben der Nachrichtenagentur Fars. "Die Islamische Republik Iran hat heute die vollständige Herrschaft über die gesamte Region und kontrolliert alle Bewegungen."

Der Iran ist ein Anrainerstaat der Meerenge, die im Süden an die Vereinigten Arabischen Emirate und den Oman grenzt. Die USA haben erklärt, eine Blockade der internationalen Gewässer nicht hinzunehmen. Die US-Marine verfügt über eine große Streitmacht in der Region, die den iranischen Truppen weit überlegen ist. Auch Großbritannien hat erklärt, jeder Versuch einer Blockade der Wasserstraße wäre illegal und erfolglos.

USA: "Akzeptieren Schließung der Meerenge nicht"
Die "New York Times" zitierte US-Generalstabschef Martin Dempsey mit den Worten, der Iran habe zwar durchaus die Möglichkeit, die Seestraße im Persischen Golf eine Zeit lang zu sperren. "Wir haben jedoch darin investiert, dafür zu sorgen, dass wir dies in solch einem Fall abwehren können", so Dempsey.

US-Verteidigungsminister Leon Panetta bezeichnete die iranische Ankündigung laut dem Blatt als "inakzeptabel": "Wir haben sehr deutlich gesagt, dass die USA eine Schließung der Meerenge von Hormus nicht akzeptieren werden. Dies ist eine rote Linie für uns, und wir werden darauf reagieren." Details zur nunmehrigen Warnung über "geheime Kommunikationskanäle" nannte das Blatt übrigens nicht.

Khamenei wirft Mossad und CIA "feigen Mord" vor
Unterdessen gab Religionsführer Khamenei den Geheimdiensten Israels und der USA die Schuld an dem Bombenanschlag auf einen iranischen Atomforscher am Mittwoch. Der "feige Mord" sei mit der Planung oder Unterstützung von Mossad und CIA geschehen, erklärte Khamenei am Freitag in einer Beileidsbotschaft zur Beisetzung des Wissenschaftlers in Teheran

Der Mann war am Mittwoch gemeinsam mit seinem Fahrer bei der Explosion einer an sein Auto gehefteten Bombe getötet worden. Nach dem Freitagsgebet wurde der Forscher beigesetzt. Die Teilnehmer an der Trauerfeier riefen "Tod Amerika" und "Tod Israel". Einige trugen Bilder von US-Präsident Barack Obama mit der Aufschrift "Terrorist".

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