Von Cops erschossen

15-jähriger US-Schüler hatte nur eine Luftdruckwaffe

Ausland
05.01.2012 16:54
Jener 15-jährige Schüler, der am Mittwoch in der südtexanischen Stadt Brownsville von der Polizei erschossen worden ist, war nur mit einer Luftdruckpistole bewaffnet, wie sich am Donnerstag herausstellte. Die Waffe habe täuschend echt ausgesehen, so die Beamten, die ihre Tat nach wie vor rechtfertigen. Familie und Freunde des netten, hilfsbereiten Burschen verstehen nun allerdings noch weniger, warum der Achtklässler sterben musste.

Die Bluttat ereignete sich in der Cummings Middle School. Kurz nach Unterrichtsbeginn ertönte aus den Lautsprechern in den Klassenzimmern der Amokalarm. Lehrer schlossen ihre Klassenzimmer ab, machten das Licht aus und versuchten ihre Schüler zu beruhigen. Er habe Polizisten die Gänge entlangrennen hören, berichtete ein Siebtklässler. Dann Rufe: "Leg die Waffe nieder!" Dann drei Schüsse.

Die Polizisten hätten den 15-jährige Jaime Gonzalez erschossen, als dieser eine täuschend echt aussehende Pistole auf sie gerichtet habe, erklärte ein Polizist. Der Achtklässler sei noch in ein Spital gebracht worden, wo er für tot erklärt wurde.

"Warum musste Jaime sterben?"
Die Familien des Opfers kann das Vorgehen der Polizei nicht verstehen, wie sie gegenüber dem US-Nachrichtensender "ABC" berichtete. "Warum haben sie auf unseren Sohn geschossen, warum haben sie ihn nicht anders zum Aufgeben bewegt?", fragten die trauernden Eltern. Sie können es sich zwar ebenfalls nicht erklären, warum Jaime mit einer Luftdruckwaffe zur Schule ging, und auch nicht, woher er die Waffe hatte, aber dass ihr 15-jähriger Sohn sterben musste, sei Unrecht.

Die Großmutter des Achtklässlers sagte, sie verstehe zwar, dass die Polizei ihren Job machen müsse, aber sie frage sich, warum Jaime gleich sterben musste. "Er war kein böser Bub, er war auch kein Engel, aber er war ein liebenswerter, großzügiger Mensch", so Oma Norma Leticia Navarro.

Schüler war in der Nachbarschaft und bei Kollegen beliebt
Auch andere aus Jaimes Umfeld berichteten, dass er ein netter Mensch war. Er half den Menschen in der Nachbarschaft, er mähte ihren Rasen, wusch ihre Hunde oder half Kindern beim Flicken ihrer Fahrradreifen.

Selbst der Schulleiter fand nur Gutes zu berichten: "Jaime war ein positiv denkender junger Mann. Er machte Musik und verstand sich gut mit seinen Kollegen. Ich kann mir das Verhalten nicht erklären."

Polizei steht hinter dem Todesschuss und ermittelt weiter
Die Polizei versucht nun das Motiv des jungen Mannes zu klären und rechtfertigt zugleich das Vorgehen der Beamten: "Wenn jemand andeutet, auf einen Polizisten zu schießen, ist es rechtmäßig, einen tödlichen Schuss abzugeben", so ein pensionierter Polizeichef gegenüber "ABC".

Ob rechtmäßig oder nicht, die Trauer um den jungen Jaime ist jedenfalls groß. Am Mittwochabend versammelten sich Dutzende Schulkollegen des Burschen in der dunklen Straße vor seinem Elternhaus und gedachten ihres Freundes. Auch auf Facebook hat sich mittlerweile eine große Trauergemeinschaft gebildet, die für Freitag sogar zu einem weiteren Trauermarsch vor dem Haus der Familie Gonzalez aufruft.

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