Während Deutschlands Vermögende für 44 Prozent aller Spenden aufkommen, sind es bei uns nicht einmal zehn Prozent. Dass die unterste Einkommensschicht mehr gibt, hat Gründe.
Anna (94) aus Oberösterreich marschiert einmal im Monat zur Bank. Obwohl die Seniorin nach Jahrzehnten harter Arbeit eine recht kleine Pension bezieht, will sie auch anderen helfen. Zehn Euro im Monat für jene, denen es noch schlechter geht als ihr, sind der Pensionistin eine Herzensangelegenheit.
So wie Anna machen es viele Österreicher. „Wir sind ein Land der Kleinspender“, bestätigt Günther Lutschinger vom Fundraising Verband Austria. 70 Prozent der Landsleute engagieren sich für Wohltätigkeit. Dabei fällt eines besonders auf: Die untersten Einkommensschichten, also jene, die mit Inflation, Teuerung und Armutsgrenze kämpfen, geben im Schnitt zwei Prozent ihrer Jahreseinkommen für karitative Zwecke aus. Im Vergleich spenden die Reichsten unter uns gerade einmal 0,1 Prozent. 85 Prozent aller Spendenbeträge liegen unter 200 Euro.
Reiche weichen auch in umliegende Länder aus
Woran das liegen könnte, untersuchte das Institut für Höhere Studien (IHS). Ein Blick ins nahe Ausland hilft. Während Österreicher 97 Euro pro Jahr spenden, sind Schweizer (217 Euro) und Deutsche (150 Euro) bei weitem spendabler. Was jedoch nicht an den Kleinspendern liegt. Sondern laut vorliegender Studie daran, dass sich dort Vermögende stärker beteiligen. So heißt es, dass sich Reiche aus Österreich in den Nachbarstaaten stärker engagieren würden als bei uns.
Menschen, die anderen Gutes tun, gelten als Philanthropen. Der Begriff leitet sich aus dem griechischen „philos“ (Freund) und „anthropos“ (Mensch) her. Reiche Philanthropen sind etwa Bill Gates oder Warren Buffet, die große Teile ihrer Vermögen spenden. Auch der heilige Martin, der seinen Umhang mit einem Bettler teilte, wird als Philanthrop bezeichnet.
Stiftungen sind durch eine Anordnung des Stifters dauernd gewidmete Vermögen, deren Erträgnisse der Erfüllung gemeinnütziger oder mildtätiger Zwecke dienen. Von den mehr als 3000 Privatstiftungen in Österreich sind rund 750 auch gemeinnützig aktiv.
Die Absetzbarkeit von Spenden funktioniert automatisch per elektronischer Übermittlung an das Finanzamt. Die Meldung ist von der Spendenorganisation bis Ende Februar des Folgejahres vorzunehmen. Beim Spendenempfänger muss es sich um eine begünstigte Organisation im Inland handeln.
Das IHS befragte 15 Vermögende in Interviews und Workshops nach den Gründen. Studienautorin Katharina Gangl: „Im internationalen Vergleich wird in Österreich stärker das Gefühl der Verantwortung als Grund angegeben.“ Hemmend seien die Versorgungsmentalität des Staates, die Skepsis der Gesellschaft gegenüber Vermögenden und die schlechten Rahmenbedingungen, zum Beispiel hinsichtlich Absetzbarkeit und Stiftungen.
Paket soll schon bald für eine Trendwende sorgen
Zumindest im letzten Punkt dürfte es ab 1. Jänner des kommenden Jahres mehr Anreiz geben. Das kürzlich von der Regierung beschlossene Gemeinnützigkeitspaket erleichtert die Absetzbarkeit für gemeinnützige Bereiche und sorgt für Verbesserungen bei Stiftungen.
Laut Günther Lutschinger also „Topbedingungen“. Nun liege es an den vermögenden Menschen, ihre gesellschaftliche Verantwortung zu beweisen - um auch den „kleinen“ Spendern in nichts nachzustehen.











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