Sa, 18. August 2018

Betrugsvorwürfe

06.12.2011 17:10

Rekordverdächtiges Putin-Wahlergebnis in Psychiatrien

Immer bizarrere Züge nehmen die Betrugsvorwürfe gegen die Regierungspartei Geeintes Russland bei der umstrittenen Parlamentswahl in Russland an. Während die Partei von Wladimir Putin trotz ihres Sieges landesweit schwere Verluste hinnehmen musste, erfreut sie sich bei einer Wählergruppe offenbar rekordverdächtig hoher Beliebtheit: bei den Bewohnern von Nervenheilanstalten.

"Unser Irrenhaus stimmt für Putin", lautet der Refrain eines Songs der russischen Gruppe "Rabfak". Jetzt dürfte das Lied von der Realität eingeholt worden sein. Aus dem ganzen Land treffen nach Auszählung der Stimmzettel Meldungen ein, wonach unter den Bewohnern von Nervenheilanstalten eine auffallend hohe Zustimmung für die Putin-Partei verzeichnet wurde.

So votierten laut der Zentralen Wahlkommission etwa die Patienten des Moskauer Psychiatrischen Krankenhauses Nr. 3 fast geschlossen für Geeintes Russland, berichtete das deutsche Nachrichtenmagazin "Spiegel". 93 Prozent der am Sonntag dort abgegeben 379 Stimmen entfielen demnach auf die Partei von Putin, nur 26 auf die gesamte Opposition.

Auffallend hoch fiel die Unterstützung für die Putin-Partei auch in Kurtamysch an der Grenze zu Kasachstan aus. Dort stimmten laut "Spiegel"-Bericht 82 Prozent der Patienten der örtlichen Nervenheilanstalt für Geeintes Russland. Am landesweiten Trend ändern die bizarren Auszählungsergebnisse jedoch wenig. Die Regierungspartei hatte bei der Dumawahl am Sonntag zwar erneut einen Sieg errungen, allerdings ihre Zweidrittelmehrheit im Parlament eingebüßt.

Tausende Russen protestieren gegen Wahlfälschung
Tausende Russen gingen indessen auch am Dienstag auf die Straße (siehe Infobox). Schätzungen zufolge waren es 8.000 Menschen, die in Moskau gegen das Ergebnis der von Fälschungsvorwürfen überschatteten Parlamentswahl protestierten. Angemeldet hatten die Organisatoren lediglich 400 - so viele kommen sonst zu den Kundgebungen.

So vehement haben die Russen die Wut auf ihre Führung lange nicht herausgeschrien. Medien sprachen am Dienstag von der größten Antiregierungsdemo in Moskau seit Jahren. Der Aufruf dazu war massenhaft im Internet verbreitet worden. "So etwas habe ich in Moskau seit den Straßenkämpfen 1993 nicht gesehen", kommentierte Dmitri Solopow vom Radiosender Kommersant FM die Lage in der Hauptstadt.

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