Kampf gegen Krise

Zentralbanken der Welt pumpen Geld in die Märkte

Ausland
30.11.2011 17:23
Im Kampf gegen die Schuldenkrise gehen die wichtigsten Notenbanken der Welt überraschend in die Offensive. Wie in den schlimmsten Tagen der Finanzkrise stellen sie den Finanzmärkten in einer koordinierten Aktion mehr Geld zur Verfügung. An den Aktienmärkten löste die Aktion am Mittwoch ein Kursfeuerwerk aus. Die Verbraucher können sich weniger freuen: Sie werden die Gelddruckerei vermutlich in Form einer höheren Inflation zu spüren bekommen.

Die gemeinsame Aktion der Notenbanken verschafft den zuletzt in Finanznöte geratenen Geschäftsbanken eine Atempause. Mit der Maßnahme werde die Liquidität erhöht, um einen möglichen Engpass zu verhindern, sagte Claudia Windt, Expertin der Hessischen Landesbank. Volkswirtschaftler Klaus Adam von der Universität Mannheim sagte: "Letztlich ist es eine Hilfe für das europäische Bankensystem."

Zuletzt waren die Banken nur noch mit Mühe an Geld gekommen. Vor allem US-Dollar wurden für viele europäische Institute knapp. In der Folge baute etwa die französische Großbank Societe Generale Risiken in Dollar ab und nahm dafür sogar Verluste in Kauf. "Der Zugang zu US-Dollar wird nun wieder billiger", kommentierte Volkswirt Christian Schultz von der Berenberg Bank. Mit dem Schritt sollten sich die in Panik geratenen Märkte wieder beruhigen.

Banken trauten sich zuletzt kaum mehr über den Weg
Die Banken selbst hatten einander zuletzt kaum noch über den Weg getraut. Die Absicherung von Forderungen wurde immer teurer und überstieg zuletzt sogar den Wert nach der Lehman-Pleite 2008. Beobachter berichteten, dass viele Banken bei längeren Laufzeiten und ohne Sicherheiten nicht mehr an Geld kamen. Stattdessen musste zunehmend die Europäische Zentralbank die Finanzierung der Banken übernehmen.

Beteiligt an der jetzigen Aktion sind die Europäische Zentralbank, die US-Notenbank Federal Reserve sowie die Notenbanken Kanadas, Japans, Großbritanniens und der Schweiz. Konkret verständigten sich die Zentralbanken darauf, die Kosten bestehender Dollar-Swaps ab dem 5. Dezember um 50 Basispunkte zu reduzieren. Die EZB und andere Notenbanken wollen den Instituten zudem bis auf Weiteres mit Auktionen für drei Monate Geld leihen. Um für einen Notfall gewappnet zu sein, vereinbarten die Zentralbanken zudem Tauschgeschäfte, um jederzeit die von Banken benötigte Währung bereitstellen zu können.

"Die Beteiligten haben den Ernst der Lage erkannt"
"Es zeigt, dass alle Beteiligten den Ernst der Lage erkannt haben. Zusammen mit der Senkung der Mindestreserve-Anforderungen in China ist das sehr hilfreich. Heute ist die Geldpolitik am Zug und zeigt damit, dass sie der Weltkonjunktur unter die Arme greift", meinte Ralf Umlauf, ebenfalls von der Hessischen Landesbank.

"Die Notenbanken tragen ihren Teil dazu bei, die Finanzkrise zu entschärfen. Es muss aber klar sein, dass viele Probleme damit nicht gelöst werden. Aber es wird wenigstens sichergestellt, dass die Banken genügend Dollar-Liquidität bekommen - und zwar zu besseren Konditionen als bisher über die Dollar-Tender der EZB. Für Erleichterung sorgt sicher auch, dass die Notenbanken zusammenarbeiten. Ihre Möglichkeiten zur Krisenentschärfung sind aber natürlich begrenzt", kommentierte Rainer Sartoris von HSBC Trinkaus.

Verbraucher müssen Aktion mit höherer Inflation bezahlen
Einzig die Verbraucher können sich nicht über den Schritt freuen. Denn sie werden die Aktion der Notenbanken wohl schon bald zu spüren bekommen. Und zwar so wie immer, wenn die Geldmenge erhöht wird: in Form von Teuerung.

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