"Extreme Gefahr"

Metro-Anschlag in Minsk: Zwei Männer zum Tode verurteilt

Ausland
30.11.2011 13:23
In dem umstrittenen Prozess wegen eines Bombenanschlags auf die Metro in Minsk hat ein weißrussisches Gericht die beiden Angeklagten zum Tode verurteilt. Das Gericht sprach am Mittwoch die Männer schuldig, am 11. April 15 Menschen getötet und mehr als 300 verletzt zu haben. Die Exekution der beiden 25-Jährigen könnte bereits am Donnerstag erfolgen.

Richter Alexander Fedorzow bezeichnete die Angeklagten als "extreme Gefahr für die Gesellschaft", weshalb er die Todesstrafe gegen sie verhängen musste. Dmitri Konowalow (links im Hintergrund) sei wegen Terrorismus für schuldig befunden worden, sagte Fedorzow beim stundenlangen Verlesen des 114-seitigen Urteils. Wladislaw Kowalew (rechts im Hintergrund) wiederum sei schuldig, weil er von den Planungen für den Anschlag gewusst habe, "die Behörden aber nicht darüber informierte".

Konowalow hatte die Tat zu Beginn des Prozesses gestanden. Kowalew hingegen widerrief seine Aussage mit der Begründung, er habe gehört, sein Freund sei bei den Befragungen verprügelt worden. Die Verteidigung hatte Freispruch aus Mangel an Beweisen beantragt, der Richter folgte mit dem Urteil jedoch dem Antrag der Staatsanwaltschaft. Zudem wurden die Angeklagten auch wegen früherer Anschläge schuldig gesprochen. Die Männer sollen für zwei Bombenattentate in der Stadt Witebsk im Jahr 2005 und für eine Explosion in Minsk während der Feiern zum Unabhängigkeitstag im Jahr 2008 verantwortlich sein.

Geständnisse durch Folter erzwungen?
Ljubow Kowaljowa, die Mutter eines der beiden Verurteilten, hatte während des Prozesses behauptet, es handle sich um einen Schauprozess, bei dem durch Folter Geständnisse erzwungen worden seien. Menschenrechtler hatten den als "letzten Diktator Europas" kritisierten Präsidenten Alexander Lukaschenko um Gnade für die Angeklagten gebeten. Die autoritär geführte Ex-Sowjetrepublik Weißrussland vollstreckt als einziges Land in Europa trotz internationaler Kritik noch die Todesstrafe. Verurteilte werden durch Genickschuss hingerichtet.

In Weißrussland hält sich bei vielen Menschen hartnäckig die Meinung, dass der Geheimdienst oder andere Kräfte im Machtapparat in das Blutbad verstrickt sein könnten. In Internetblogs hatten Bürger gemeint, dass die Führung nach dem Vorbild des Sowjetdiktators Josef Stalin mit blutigem Staatsterror von der schweren Krise im Land ablenken wolle.

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