Trotz Blockaden
Castor-Transport hat sein Ziel in Gorleben erreicht
Die letzte 20 Kilometer lange Etappe, die die Castoren auf Lkws zurücklegten, nachdem sie im deutschen Dannenberg vom Zug auf Sattelschlepper umgeladen worden waren, war von einem riesigen Polizeiaufgebot gesichert. Trotz der hohen Sicherheitsvorkehrungen an der Strecke gelang es zwei Atomkraftgegnern, auf das Führerhaus des ersten Castor-Lkws zu klettern. Daraufhin musste der Tross unplanmäßig rund eine Stunde stoppen.
Demonstranten harrten in der Kälte aus
Rund 1.000 Menschen hatten bei Kälte und über Nacht bereits im Vorfeld die Zufahrt zu der Lagerhalle in Gorleben blockiert. Nach Angaben der Anti-Atom-Initiativen harrten sie dort länger als 25 Stunden aus. Die Polizeikräfte räumten die Straße und mussten viele der Demonstranten wegtragen.
Außerdem war es Atomkraftgegnern von Greenpeace am Montagvormittag gelungen, die Polizei mit einem Trick zu überraschen. Sie versperrten mit einem Kleintransporter die Castor-Transportstrecke und verankerten sich mit Betonklötzen am Asphalt. Die Demonstranten wollten den Atommüll-Konvoi stoppen, weil sie das oberirdische Zwischenlager mit dem strahlenden Abfall für zu unsicher halten. Außerdem forderten sie die Bundesregierung auf, den Salzstock in Gorleben als möglichen Endlager-Standort aufzugeben.
Vorgehen der Polizei kritisiert
"Die Polizei hat versucht, mit Gewalt unseren Willen zu brechen, sich dem Castor gewaltfrei in den Weg zu setzen", sagte Luise Neumann-Cosel von der Anti-Atom-Organisation X-tausendmal quer. Die Initiativen beklagten, die Polizei sei überzogen gegen die Blockierer vorgegangen. Bis zuletzt hatten die Einsatzkräfte Wasserwerfer gegen einzelne Demonstranten eingesetzt. Die wiederum hatten Beamte laut einem Polizeisprecher mit Feuerwerkskörpern beworfen und Strohballen angezündet.
Polizei spricht von"einseitigen Vorwürfen"
Die Gewerkschaft der Polizei beklagte dagegen zunehmende und aggressivere Angriffe gegen Beamte. "Der Vorwurf, dass Gewalt von der Polizei ausgegangen ist, ist sehr einseitig", sagte GdP-Chef Bernhard Witthaut. Die gegen Polizisten eingesetzten Waffen würden immer brutaler. Etwa seien aus den Reihen der Demonstranten nagelgespickte Golfbälle geworfen worden, sagte Witthaut.
Obwohl die schwarz-gelbe Regierung in Deutschland in diesem Jahr den Atomausstieg bis 2022 beschlossen hat, hat der Widerstand der Atomkraftgegner nicht nachgelassen. Auch der von Bundesumweltminister Norbert Röttgen angekündigten Suche nach einem alternativen Zwischenlager schenken sie kein Glauben. Sie fordern eine neue Endlagersuche unter Ausschluss von Gorleben.
Vorerst letzter Castor-Transport
Der Castor-Transport war der letzte mit hoch radioaktivem Müll aus Frankreich. Es könnte aber noch weitere aus dem englischen Sellafield folgen. Im Zwischenlager stehen nun insgesamt 113 Behälter mit hoch radioaktivem Müll. Deutschland ist vertraglich verpflichtet, den Müll der deutschen Atomkraftwerke aus der Wiederaufarbeitung in Frankreich wieder zurückzunehmen.



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