Nach Saif al-Islam

Nun auch Libyens Ex-Geheimdienst-Chef gefasst

Ausland
20.11.2011 17:45
Nach der Festnahme von Muammar al-Gadafis Sohn Saif al-Islam am Samstag ist nach Angaben des Nationalen Übergangsrates in Libyen nun auch der ehemalige Geheimdienstchef Abdullah al-Senussi (Bild) gefasst worden. Ein ranghoher Vertreter des Übergangsrates teilte am Sonntag mit, Senussi sei in der Region Al-Gira im Süden des Landes gestellt worden. Er habe keinen Widerstand geleistet.

Über die genauen Umstände der Festnahme machte der Sprecher zunächst keine Angaben. Der Sender Free Libya TV berichtete jedoch, ein Bataillon habe Senussi, den Schwager des getöteten Machthabers, im Haus seiner Schwester nahe der Stadt Sabha gefangen genommen. Der 62-Jährige werde nun den Behörden des Übergangsrates übergeben.

Senussi, der wie Saif al-Islam monatelang auf der Flucht war, wird ebenso wie Gadafis Sohn vom Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag gesucht. Der Gerichtshof hatte Ende Juni einen Haftbefehl gegen den Ex-Machthaber und die beiden Männer erlassen. Ihnen wurde vorgeworfen, den Sicherheitskräften ihres Landes den Auftrag zu Morden, Verfolgung und Verbrechen gegen die Menschlichkeit erteilt zu haben.

Hinweis führte zu Gadafi-Sohn
Saif al-Islam wurde am Samstag in der Region Wadi al-Ajal im Südwesten Libyens festgenommen, wie der Anführer der Brigade von Zintan, einer Stadt 170 Kilometer südwestlich von Tripolis, am Sonntag bekannt gab. Seine Mannschaft sei demnach zusammen mit Kämpfern aus der Region Targen für die Festnahme des Gadafi-Sohnes verantwortlich gewesen.

Zur Ergreifung Saif al-Islams habe ein Hinweis auf einen hochrangigen Flüchtling geführt, sagte Ahmed Ammar, einer der Kämpfer. In der Wüste hatten sie versucht, zwei Autos zu stoppen. Nach Warnschüssen in die Luft seien die Fahrzeuge stehengeblieben, ein Insasse habe sich als "Abdelsalam" ausgegeben - was "Friedensdiener" heißt. Doch man hätte Saif al-Islam al-Gadafi gleich erkannt und ihn kampflos festgenommen.

Ein weiterer an der Festnahme beteiligter Kämpfer sagte, Saif al-Islam sei gemeinsam mit fünf Begleitern in einem aus zwei Fahrzeugen bestehenden Konvoi gefasst worden. Die Männer seien bewaffnet gewesen, hätten aber keine Zeit gehabt, sich zu wehren. Saif al-Islam soll versucht haben, sich in den Niger abzusetzen, einer seiner Begleiter soll die Wegstrecke jedoch verraten haben.

Nagelprobe für das neue Libyen
Das nunmehrige Schicksal Saif al-Islams stellt das neue Libyen auf die Probe. Einen Monat nach dem Tod Muammar al-Gadafis in den Händen der ehemaligen Aufständischen sicherte die Führung in Tripolis dessen 39-jährigem Sohn einen fairen Prozess zu. Im Westen wurden Forderungen laut, ihn dem Internationale Strafgerichtshof in Den Haag zu übergeben. Doch die libysche Führung will Saif al-Islam in seiner Heimat vor Gericht stellen (siehe Infobox). Ihm droht die Todesstrafe.

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