"Krone": Herr Stronach, warum haben Sie in Graz den "europäischen Frühling" ausgerufen?
Frank Stronach: Weil ich große Probleme auf uns zukommen sehe. Wir zahlen zehn Milliarden Euro jährlich nur Zinsen für unsere Schulden. Damit könnte man 100 Spitäler, 5.000 Kindergärten, 200 Forschungsinstitute bauen. Jedes Baby kommt mit 30.000 Euro minus auf die Welt. Deshalb habe ich den Studenten gesagt: Ihr habt es in der Hand, wie eure Zukunft aussieht. Erwartet nicht von der älteren Generation oder von der Regierung, dass sie eure Probleme löst. Tut selber etwas!
"Krone": Nach Androsch sind Sie – Pardon - der zweite "Oldie", der das Land radikal verändern will.
Stronach: Ich will gar nichts, nicht einmal Spin Doctor sein. Ich will nur die Jungen ermutigen, über all das nachzudenken. Ich bin ohnehin sicher, dass es eine junge Revolution geben wird. Aber sie muss zivilisiert, nicht zerstörerisch sein.
"Krone": Ist das nicht eine "Mission Impossible", die Sie den Jungen da aufgeben?
Stronach: Nein. Das beweisen die vielen Reaktionen. Ich habe Hunderte Mails mit Ideen bekommen, ein eigenes Team wird sich jetzt darum kümmern.
"Krone": Schwebt Ihnen eine Art "Piratenpartei" vor?
Stronach: Wenn sie klipp und klar sagt, wofür sie steht, warum nicht? Wir müssen sehen: Die etablierten Parteien schaffen es nicht, die Probleme zu lösen. Sie sind verhaftet in ihren Strukturen. Diese Fesseln können nur junge, engagierte Menschen sprengen.
"Krone": Was wäre Ihr Rat an die bestehenden Parteien?
Stronach: Ein Vier-Punkte-Programm: Budget sanieren, mit Budgetüberschuss, damit wir die Schulden zurückzahlen können. Schuldenbremse in so und so vielen Jahren, warum nicht gleich morgen? Dann: Das Steuersystem mit seinen vielen Schlupflöchern vereinfachen; Flat-Tax inklusive. Drittens: Verwaltungsreform. Daraus ergäben sich viertens Wirtschaftswachstum und Arbeitsplätze. Wir müssen endlich begreifen, dass nur kluge Manager, fleißige Arbeiter und Kapital zum Erfolg führen. Alle drei haben Anspruch auf einen Teil des Profits.
"Krone": Also Gewinnbeteiligung?
Stronach: Ich möchte keinen kleinen mittelständischen Betrieb damit quälen. Aber große Unternehmen sollten ihre Mitarbeiter mit zehn Prozent am Gewinn beteiligen, was Magna übrigens seit Mitte der 70er-Jahre macht.
"Krone": Das klingt eher nach Wirtschaftspartei.
Stronach: Nein, ich will definitiv keine Wirtschaftspartei gründen, denn eine Partei muss für alle da sein. Eine junge Partei hätte diese Kraft.
"Krone": Sie haben den Euro eine Missgeburt genannt. Wie meinen Sie das?
Stronach: Ich bin überzeugter Europäer, wir müssen alles tun für ein starkes Europa. Aber was man beispielsweise mit den Griechen gemacht hat, das war der größte Blödsinn. Denen hat man Kredite aufgedrängt, für die die kleinen Arbeiter jetzt bitter bezahlen müssen. Die Währungsunion halte ich für eine Missgeburt und der Euro kann in dieser Form nicht weiter existieren.










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