Sie verlassen sich auf Ihre Ausbildungen, Ihre Berufserfahrung und Ihre Leistungsfähigkeit - und kündigen, ohne einen neuen Job in Aussicht zu haben. Das kann ein schwerer Fehler sein. Untersuchungen zeigen, dass 20 Prozent der Absolventen höherer Schulen bzw. Akademiker länger als ein Jahr auf Jobsuche sein können. Bei zehn Prozent dauert es sogar länger als zwei Jahre, bis ein neuer Job gefunden ist. Und heutzutage, in Zeiten einer sich verschärfenden wirtschaftlichen Situation, spielt auch das Thema einer generell steigenden Arbeitslosigkeit eine große Rolle. Kündigungen aufgrund finanzieller Engpässe können im Prinzip jeden Arbeitnehmer treffen. Und damit beginnt am Arbeitsmarkt ein Überangebot zu herrschen.
Wenn Sie also Bewerbung um Bewerbung absenden und nur negatives Feedback bekommen, dann ist eines ganz wichtig: Nicht persönlich nehmen und nicht an sich selbst zweifeln. Leicht gesagt, denn Absagen sind nie angenehm. Sie sollten sich jedoch über folgende Situation klar sein: Für die meisten offenen Stellen gibt es sehr viele Bewerbungen. Wenn Sie einer von 50 sind, dann reicht aus, dass Sie an einem kleinen Punkt nicht in dieses spezielle Profil passen, um eine Absage zu erhalten.
Die meisten Unternehmen haben heute aufgrund klassischer Ressourcenknappheit die Vorgabe, pro ausgeschriebener Position nicht mehr als drei bis fünf Bewerbungsgespräche zu führen. Und die gilt es daher für jene Bewerbungen zu nützen, die hundertprozentig zum Profil passen. Und da scheiden dann auch Kandidaten aus, die vielleicht aufgrund ihres Alters einfach nicht ins Team passen. Oder bei denen man annimmt, dass man sie aufgrund ihres Wissensstandes nicht bezahlen kann.
Profil kritisch überprüfen
Das heißt natürlich nicht, dass Sie sich einfach zurücklehnen und nichts tun sollten. Denn Optimierungspotenzial gibt es immer. Machen Sie sich die Mühe, bei den Personalabteilungen nachzufragen, woran Sie gescheitert sind. Oft werden Sie keine Antwort erhalten, aber vielleicht bekommen Sie ein, zwei Rückmeldungen, aus denen Sie schlauer werden. Vielleicht fehlt Ihnen eine bestimmte Zertifizierung, vielleicht konnte man aus Ihrer Bewerbung Ihre Motivation nicht klar genug herauslesen, vielleicht waren Sie auch schlichtweg überqualifiziert.
Sie sollten sich über die für Sie infrage kommenden Positionen klar werden und dann möglichst objektiv überprüfen, ob Sie alle Anforderungen erfüllen bzw. wie Sie Ihr Profil noch attraktiver machen können. Manchmal reicht schon ein Kurs, um sein Engagement bzw. seine fachliche Eignung deutlich zu machen.
Weiters wichtig: Konsequenz! Setzen Sie sich ein Ziel, wie viele Bewerbungen Sie pro Woche mindestens schreiben wollen. Je größer Ihre Schlagzahl, desto größer die Chance, etwas zu finden. Dabei wird es wahrscheinlich erforderlich sein, dass Sie Ihre Ansprüche an den Idealjob etwas zurückschrauben und einfach einmal abwarten, was passiert.
Bewerbungsschreiben optimieren
Auch sollten Sie an Ihrem Bewerbungsschreiben arbeiten. Das wichtigste Grundprinzip ist nutzenorientierte Kommunikation, kein stures Aufzählen von Erfahrungen. Lesen Sie sich die Stellenausschreibung genau durch und strukturieren Sie Ihr Anschreiben so, dass Sie alle Anforderungen durch die Beschreibung Ihrer Erfahrungen belegen. Beispiel: Man sucht eine kreative Führungspersönlichkeit. Beschreiben Sie Ihre letzte Tätigkeit, indem Sie erwähnen, für wie viele Menschen Sie Führungsverantwortung hatten und welche kreativen Aspekte vorkamen. Leiten Sie derartige Verweise ein mit "Dadurch biete ich Ihnen ..." oder "Das bedeutet für Sie ...". Somit zeigen Sie, dass Sie sich mit den Bedürfnissen des potenziellen Arbeitgebers auseinandersetzen.
Hilfe annehmen
Bringt das allein nach einiger Zeit noch keinen Erfolg, sollten Sie sich auch nicht scheuen, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen. Denn die Alternative wäre ein Reduzieren der eigenen Ansprüche, entweder in fachlicher oder in gehaltstechnischer Hinsicht. Das führt jedoch meist dazu, dass man entweder aufgrund von Überqualifikation abgelehnt wird oder im Endeffekt für ein wesentlich geringeres Gehalt arbeiten geht, als man zuletzt hatte. Das ist natürlich besser, als ohne Job dazustehen, das Gefühl, irgendwie versagt zu haben, bleibt jedoch in dieser Konstellation. Sie sollten daher den Service eines Personalvermittlers in Anspruch nehmen, der ein Jobcoaching mit Ihnen macht und Ihre Anforderungen mit der Ist-Situation abgleicht bzw. Ihnen einen realistischen Einblick in Ihre Möglichkeiten gibt. So haben Sie Orientierung und können eventuelle Fehler im Bewerbungsverhalten ausschließen.
Sich selbst guttun
Ein letzter Aspekt ist, auf sich selbst zu achten. Gerade nach einer Kündigung, egal von welcher Seite ausgelöst, fühlt man sich in der ersten Zeit ziemlich schlecht. Darunter leiden neben dem Privatleben auch die Ausstrahlung und die Motivation. Suchen Sie sich einen Ausgleich, überlegen Sie, was Sie aktiv tun können, um Ihre Lage zu verbessern. Nicht das Ruder aus der Hand nehmen lassen! Wenn Sie über Ihre Situation nachdenken und rational nach Auswegen suchen, wird es Ihnen besser gehen. Und damit kommt früher oder später auch das Glück bei der Jobsuche zurück.










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