SPÖ erneuert Forderung

„Die Linzer Digital-Uni muss zurück an den Start“

Oberösterreich
16.05.2023 19:00
Porträt von Krone Oberösterreich
Von Krone Oberösterreich

Kein Lehrplan, keine Lehrenden, kein Raumkonzept - und das fünf Monate vor dem geplanten Start: Die SPÖ forderte am Dienstag einmal mehr, den Start des Institute of Digital Sciences Austria (IDSA) aufzuschieben. Die Neos sind gleich für eine komplette Absage der Uni-Gründung.

Auch wenn die Idee aus der „türkisen Marketing-Abteilung von Kanzler Sebastian Kurz“ - er hatte das Projekt 2020 vorgestellt - gekommen sei, sehen SPÖ-Landesparteichef Michael Lindner und der rote Linzer Bürgermeister Klaus Luger einen „gesellschaftlichen Mehrwert“ für Oberösterreich im IDSA, wie es der Luger formulierte.

Holpriger Start
Das Problem sei allerdings, dass seit besagter Ankündigung die Gründung „gelinde gesagt“ holprig verlaufe, ergänzte Lindner. Wurde zuerst in Uni-Stellungnahmen das Gründungskonzept zerpflückt, da man Bedenken hinsichtlich des wissenschaftlichen Anspruchs, des Zeitplans sowie der Finanzierung befürchtete, folgte der Wirbel um die Bestellung des Gründungspräsidenten oder der Gründungspräsidentin, was zu Verzögerungen führte.

Querelen im Gründungskonvent
Der Rektor der Universität für Angewandte Kunst in Wien, Gerald Bast, legte sein Mandat im Konvent einen Tag vor den Hearings zurück, drei Mitglieder enthielten sich bei der Abstimmung wegen Befangenheit. Nach der Entscheidung für die Grazer TU-Professorin Stefanie Lindstaedt trat der vom Land Oberösterreich entsandte Fabasoft-Chef Helmut Fallmann zurück und richtete eine Aufsichtsbeschwerde an das Ministerium. Seitdem bestätigen bzw. widerlegen Juristen in beauftragten Gutachten - mittlerweile liegen drei vor - die Rechtmäßigkeit der Bestellung.

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Es braucht eine breit angelegte Enquete, um die politischen Erwartungshaltungen an diese Jahrhundertchance zu formulieren.

Michael Lindner, Landesvorsitzender SPÖ

Damit das IDSA mit dem Wintersemester 2023/24 keinen Fehlstart hinlege, möchten Lindner und Luger mit dem Projekt „zurück zum Start“. Sie wollen jetzt die bereits von der ÖVP zugesagte Enquete, um die „politischen Erwartungshaltungen an diese Jahrhundertchance zu formulieren“. Dies sei schon deshalb nötig, da an Instituten der Johannes Kepler Uni (JKU), neben der das IDSA entstehen soll, „Ängste um den eigenen Fortbestand“ größer würden.

Experte schlug schon im März Alarm
Als Beispiel führten sie das Institut für Machine Learning und das Artificial-Intelligence-Lab (LIT AI Lab) der JKU an, das der KI-Pioneer Sepp Hochreiter leitet. Hochreiter hatte Ende März Alarm geschlagen, dass sein Institut nicht ausreichend Mittel für die Forschung erhalte. Derzeit sei laut Luger überhaupt unklar, ob das Institut an der JKU bleibe oder in das IDSA überführt werde.

„Lehrbeispiel, wie man es nicht macht“
Kritisch bewertet die SPÖ auch die aktuell laufenden Vorbereitungen. So werde unter dem Titel „Founding Lab“ im Mai ein „Call“ gestartet, um Studierende und Lehrende nach Linz zu holen. Dazu nutze man die Netzwerke der Ars Electronica und der JKU. Für Luger kann das nicht funktionieren, denn „wer entscheidet sich für eine Uni, wenn es noch nicht einmal einen Lehrplan gibt“. Das IDSA drohe „zu einem Lehrbeispiel zu werden, wie man es nicht macht“, die ÖVP-FPÖ-Landesregierung solle nicht länger am „überhasteten Start im Herbst“ festhalten, so Lindner.

ÖVP verteidigt Start im Herbst
Die ÖVP ließ keinen Zweifel daran, dass die Uni im Herbst loslegen werde. „Der Gründungskonvent und Gründungspräsidentin Lindstaedt haben klargestellt, dass der Start des Uni-Betriebes im Herbst möglichst ist“, meinte Klubobmann Christian Dörfel. Eine Universitätsgründung eigne sich „nicht für parteipolitische Manöver“, richtete er der SPÖ aus. Alle Parteien sollten an einem Strang ziehen, damit „Ruhe in das Projekt einkehren kann“.

Architekturwettbewerb noch im Sommer
Aktuell erarbeite der Konvent mit dem Ars Electronica „ein Angebot für den Sommer und das Wintersemester 2023/24“, führte Dörfel aus. Weiters sehen die Pläne des Konvents „einen Start mit fünf bis sieben Studienmodulen vor, die von internationalen Experten geleitet werden“, hieß es. Außerdem werde noch im Sommer der Architekturwettbewerb für die neue Uni ausgelobt.

Neos für Beendigung des „Trauerspiels“
Für die Neos ist das Projekt IDSA „ein Trauerspiel an Unfähigkeit auf vielen Ebenen und machtpolitischer Inszenierung zulasten des Wissenschaftsstandortes“. Eine Verschiebung des Projekts wäre „das Mindeste, angesichts der Pleiten-Pech und Pannen-Serie der letzten Monate sollte man es aber überhaupt sein lassen“, sprach sie Klubobmann Felix Eypeltauer für eine Absage der IDSA-Gründung aus.

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