Für den ersten „Edelbrandlehrling“ Österreichs schrieb das Leben ein Märchen: Sechs Jahre nach seinem „Lehrherrn“ gab`s für den Imsterberger Stefan Schiechtl bei der Alpen-Adria-Prämierung genau dassselbe, hochprozentige Gold. Der Schnapsbrenner im zweiten Bildungsweg hat noch viele preisverdächtige Ideen.
„Nicht aggressiv trotz der 43 Prozent“, reicht Stefan Schiechtl den selbst destillierten Rum zur Verkostung in seinen neuen Räumlichkeiten, „das Fass hat ihm die Schärfe genommen“. Der Imsterberger Edelbrandsommelier hat Grund zum Anstoßen: Aus dem Kärntner Lavanttal brachte er kürzlich acht Medaillen mit.
Dort wurden im Rahmen der „Mostbarkeiten“, der jährliche Höhepunkt für alle Obstverarbeiter im Alpen-Adria-Raum, die besten Brände Mitteleuropas ermittelt und prämiert. Von allen Edelmetalltalern glänzt einer allerdings besonders hell: Der vergoldete Williamsbirnenbrand wurde auch noch Sortensieger in der Kategorie Kernobst. Der Beste der Besten also, salopp könnte man auch Europameister sagen.
„Peter hat mir die Liebe zum Brennen vermittelt“
„Das Ganze ist wie ein Märchen, wenn ich sechs Jahre zurückblicke“, sagt der nun 35-Jährige, „da habe ich mit meiner Frau zum ersten Mal Medaillen in Kärnten abgeholt. Und vor allem meinem Neffen Peter, der zeitlich verhindert war, die Prämierung seines Williamsbrandes zum Sortensieger mit nach Hause genommen.“ Peter Schiechtl war schon damals als hochdekorierter Edelbrandsommelier ein Begriff in der Szene.
„Peter hat mich quasi für das Brennen angezündet und mir die Leidenschaft, ich möchte sogar sagen die Liebe, vermittelt. Ohne ihn wäre ich gewiss nicht so weit gekommen“, ist sich Stefan sicher. Peter hatte nämlich eines Tages (oder Abends) die Idee, seinen Neffen zum ersten „Brennlehrling“ Österreichs zu machen und ihm die „Gesellenprüfung“ abzunehmen. Eine Schnapsidee sozusagen. Gesagt, getan. „Es waren drei harte Jahre“, erinnert sich der ehemalige Azubi mit Augenzwinkern.
Nach 3 Jahren könnte sich das Märchen wiederholen
Schöne Erinnerungen für den gelernten Zimmerer, der sich jetzt ganz der Kunst der Destillerie hingibt und genau weiß, dass er einen guten Teil des Erfolges seiner toleranten Frau Anna verdankt. Beruflich als Brennmeister bei MPreis, im Zweitberuf in seinen neuen Brenn- und Verkostungsgemächern in der Imsterau.
„Ich möchte alles Mögliche brennen“, sagt der Tüftler mit bereits 32 Auszeichnungen, „mein oberstes Ziel ist es aber, die Qualität permanent zu verbessern.“ Der Rum ist schon trinkbereit, der Whisky muss noch drei Jahre im Fass lagern.„ Genau dann beginnt vielleicht ein weiteres Märchen, denn Stefan Schiechtl hat erst kürzlich ebenfalls einen “Lehrling" eingestellt. Der ist dann frisch Geselle und vielleicht auch auf dem Weg ins Lavanttal.
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