Nach Türkei-Beben

Baby, Mutter und Großmutter nach zwei Tagen gerettet

Ausland
25.10.2011 18:30
Es ist ein kleines Wunder: Zwei Tage nach dem schweren Erdbeben im Osten der Türkei haben Rettungskräfte ein rund zwei Wochen altes Baby, seine Mutter und seine Großmutter lebend aus den Trümmern eines eingestürzten Gebäudes in der Stadt Ercis geborgen. Sie waren am Sonntag von dem Beben der Stärke 7,2 in ihrer Wohnung überrascht worden.

Stundenlang hatten Bergungsmannschaften versucht, an die Familie heranzukommen. Dann meldeten sie einen ersten Erfolg: Unter dem Beifall der wartenden Menschen zogen sie zunächst die kleine Azra Karaduman aus den Trümmern und brachten sie in ein Krankenhaus. "Sie ist gesund und sie wird leben", sagte der behandelnde Arzt der Nachrichtenagentur dpa. Das Kind bewege Arme und Beine. Wenige Stunden später konnten auch Mutter Seniha und Großmutter Gulzade gerettet werden.

Wenige Stunden später wurde zudem ein zehnjähriger Bursche aus den Trümmern eines Hauses in der Provinz Van geborgen. Serhat Gül sei sofort in ein Krankenhaus gebracht worden, hieß es in Fernsehberichten. Zuvor seien bereits sein Bruder und sein Vater aus den Überresten des siebenstöckigen Hauses in Sicherheit gebracht worden.

Die wundersamen Rettung gaben den Rettungskräften neuen Elan weiterzusuchen und den Menschen in der Bebenregion neue Hoffnung, dass ihre vermissten Angehörigen doch noch gerettet werden können. Doch tatsächlich schwindet die Aussicht auf weitere Wunder: Wegen der zunehmenden Kälte sinken die Überlebenschancen für Verschüttete - im Verlauf der Woche soll es in der Gegend schneien.

Angst der Bevölkerung sitzt tief
Die vom Erdbeben betroffenen Bewohner der Unglücksregion im Osten der Türkei verbrachten bei Temperaturen nahe dem Gefrierpunkt die zweite Nacht im Freien. Behörden warnten die Menschen davor, beschädigte Häuser zu betreten, weil diese bei den zahlreichen Nachbeben noch einstürzen könnten. "Ich zittere immer noch vor Angst. Solange die Nachbeben andauern, bleiben wir auf der Straße", sagte eine Frau, während sie sich vor einem Feuer im Stadtzentrum von Van wärmte. Die Menschen suchten in Autos, Zelten oder unter Decken Schutz vor der nächtlichen Kälte. 

Noch immer ist unklar, wie viele Menschen beim Erdbeben der Stärke 7,2 ums Leben kamen. Bisher wurden 459 Leichen geborgen. Über 1.300 Personen seien bei der Katastrophe in der Provinz Van verletzt worden, sagte Vize-Regierungschef Bülent Arinc.

Erdogan: "Wir werden keinen Bürger in der Kälte lassen"
Aus dem ganzen Land wurden Ärzte und Helfer in die Region gebracht, um die Verletzten zu versorgen. Regierungschef Recep Tayyip Erdogan versprach in der Nacht zum Montag in der Provinzhauptstadt Van einen verstärkten Hilfseinsatz der Armee. "Wir werden keinen Bürger in der Kälte lassen." 

Am Montag protestierten nach Einbruch der Dunkelheit mehrere Familien in Ercis, weil sie keine Zelte bekommen hatten. Der türkische Rote Halbmond, die Schwesterorganisation des Roten Kreuzes, will die Situation der Menschen mit insgesamt mehr als 11.000 Zelten verbessern. Bisher habe die Hilfsorganisation 452 Zeltlager aufgebaut, berichtete die türkische Nachrichtenagentur Anadolu Ajansi am Montag. 

Türkei: "Werden mit der Lage selbst fertig"
Aserbaidschan, Bulgarien und der Iran schickten Hilfe in die Türkei, obwohl Ankara erklärt hat, mit der Lage selbst fertigzuwerden. Auch die EU bot Hilfe an.

Auch das Österreichische Rote Kreuz steht in Kontakt mit den Rettungskräften. "Wir sind selbstverständlich in ständigem Kontakt mit unseren türkischen Kollegen, haben unsere Unterstützung angeboten und stehen bei Bedarf sowohl mit Personal als auch mit Hilfsgütern bereit", erklärte Generalsekretär Wolfgang Kopetzky am Montag.

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