Wenn wir Umfragen glauben würden - dann könnten wir jetzt meinen, dass die Republik gerade in den Grundfesten erschüttert wird: Denn eine aktuelle Meinungsumfrage im Auftrag des „profil“ weist der FPÖ in der Sonntagsfrage unglaubliche 31 Prozent zu, adelt so Herbert Kickl, den man noch vor wenigen Monaten bei rund 20 Prozent gedeckelt sah, zum neuen Umfrage-Kaiser. Demnach läge die SPÖ bei 25, die ÖVP bei 22 Prozent. Mag stimmen. Oder auch nicht. Erinnern wir uns ganz kurz zurück, welches Demoskopen-Fiasko wir am vergangenen Sonntag erlebt haben: In Kärnten hatte man der ÖVP für die Landtagswahlen einen tiefen Absturz von zuvor 15 Prozent auf bis unter 10 Prozent prognostiziert. Geworden sind es dann 17 Prozent - beinahe das Doppelte der Umfrage-Prognosen. Und die SPÖ, für die ein Ergebnis deutlich über 40 Prozent „errechnet“ worden war, landete bei bloß 39 Prozent. Ein Debakel für die Sozialdemokraten - aber ganz besonders auch für die Meinungsforscher. Die könnten mit ihrer 31-Prozent-Prognose für die Blauen recht haben - oder auch wieder einmal ordentlich daneben liegen.
Hofburg-Kaiser. Im Verlieren zeigt sich wahre Größe. „Ich übernehme die volle Verantwortung“ - das sagte der Kärntner Landeshauptmann Peter Kaiser am vergangenen Sonntag nach der Niederlage seiner SPÖ bei den Landtagswahlen. Was für ein Kontrast: Hatten wir doch zuletzt von Wahlverlierern Bündel von Ausflüchten zu hören bekommen - schuld sei die Weltlage, die EU, die Bundesregierung - nur nicht sie selbst. Und dann Kaiser, nachdem er neun Prozentpunkte verloren hatte, aber immer noch klare Nummer 1 in Kärnten blieb: „Es ist eine bittere Niederlage für die SPÖ, da gibt es nichts zu beschönigen“, sagte er im Studio von krone.tv und PULS 24 Sonntagabend. Als gewinnender Verlierer beweist sich Kaiser auch im Bischofberger-Interview in der Sonntags-„Krone“. Er erklärt die besondere Enttäuschung zum Teil auch mit den von den Meinungsforschern - siehe oben - hochgeschraubten Erwartungen. „Diesmal musste ich eine in diesem Ausmaß nicht erwartete Niederlage einstecken“, sagt Kaiser. Und er zeigt sich auch im „Krone“-Interview reflektiert, klug und offen. Wie gut das tut bei all dem Geschwurbel, das wir immer wieder, gerade auch in dieser Woche, von der Politik zu hören bekamen. Hätten wir mehr Kaliber wie Peter Kaiser, dann müsste einem um das Vertrauen der Österreicher in die Politik nicht bange sein. Der besonnene Kärntner glänzt nicht als Show-Mann, sondern mit Ehrlichkeit, Bescheidenheit, Intellekt. Er dürfte gscheit genug sein, sich die SPÖ nicht als Bundes-Chef anzutun. Aber wie wäre es als Präsident? Wäre er nicht dereinst der richtige Kaiser für die Hofburg?
Kommen Sie gut durch den Sonntag!
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