Nach Beschwerde:

„Cannabis-Kirche“ für Tschechien keine Religion

Ausland
10.03.2023 18:48
Porträt von krone.at
Von krone.at

Da der „Religion“ eine Beziehung zum Metaphysischen, also dem, was hinter dem sinnlich Erfahrbaren liegt, fehlt und sie sich nicht mit existenziellen Fragen beschäftigt, soll die „Cannabis-Kirche“ in Tschechien nicht anerkannt werden. Zudem gibt es die Vermutung, dass sie eigentlich nur für etwas anderes vorgeschoben wird …

Das Oberste Verwaltungsgericht in Brünn (Brno) wies am Freitag eine Beschwerde gegen eine entsprechende Entscheidung des Kulturministeriums ab.

Gebetshilfsmittel?
Das Gericht zweifelte an der Ernsthaftigkeit der Antragsteller. Vieles deute darauf hin, dass es ihnen in Wirklichkeit darum gehe, Cannabis als „Gebetshilfsmittel“ im Namen der Freiheit der Religionsausübung nutzen zu können. Der Besitz von Cannabis und Marihuana ist in Tschechien grundsätzlich strafbar. In der Praxis kann bei geringen Mengen von einer Strafverfolgung abgesehen werden. Für medizinische Zwecke ist eine ärztliche Verschreibung auf Rezept möglich.

UNO-Suchtstoffkontrollrat warnt vor Cannabis-Legalisierung
Indes warnt der Internationale Suchtstoffkontrollrat (INCB) der UNO in seinem Jahresbericht 2022 davor, dass die Legalisierung des nichtmedizinischen Konsums von Cannabis zu einem höheren Konsum und einer geringeren Risikowahrnehmung zu führen scheint, insbesondere bei jungen Menschen. In den USA habe sich etwa gezeigt, dass Jugendliche und junge Erwachsene in Bundesstaaten, in denen Cannabis legalisiert wurde, deutlich mehr konsumieren, hieß es in einer Aussendung.

In 21 US-Staaten ist der Besitz von Cannabis legal, in Denver im Bundesstaat Colorado gibt es bereits seit 2017 eine „Cannabis-Kirche“ (siehe Tweet unten).

Laut INCB gibt es Hinweise darauf, dass die allgemeine Verfügbarkeit von legalisierten Cannabisprodukten die Wahrnehmung des Risikos und der negativen Folgen des Konsums senkt. „Neue Produkte wie Esswaren oder Vaping-Produkte, die in ansprechenden Verpackungen vermarktet werden, haben den Trend verstärkt“, so der Kontrollrat. Der INCB war der Ansicht, dass dies zu einer Verharmlosung der Auswirkungen des Cannabiskonsums in der Öffentlichkeit, insbesondere bei jungen Menschen, beigetragen hat.

Psychotische Störungen
In allen Ländern, in denen Cannabis legalisiert wurde, zeigten Daten, dass cannabisbedingte Gesundheitsprobleme zugenommen haben. „Zwischen 2000 und 2018 haben sich die weltweiten medizinischen Aufnahmen im Zusammenhang mit Cannabisabhängigkeit und -entzug verachtfacht. Die Einweisungen aufgrund cannabisbedingter psychotischer Störungen haben sich weltweit vervierfacht“, warnte der INCB.

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