Präsidentenwahl im Mai

Parteienbündnis präsentiert Erdogan-Herausforderer

Ausland
06.03.2023 19:49
Porträt von krone.at
Von krone.at

Der türkische Oppositionsführer Kemal Kilicdaroglu tritt bei den Mitte Mai geplanten Präsidentenwahlen gegen Amtsinhaber Recep Tayyip Erdogan an. Das verkündete ein Bündnis aus sechs Parteien Montagabend in Ankara. Die Wiederwahl von Erdogan gilt nicht als sicher. 

Die Parlaments- und Präsidentschaftswahlen wären eigentlich im Juni. Erdogan hat aber angekündigt, sie auf den 14. Mai vorzuziehen. Die Wahlen gelten als Bewährungsprobe für den Präsidenten, der seit 20 Jahren an der Macht ist. Umfragen zufolge ist seine Wiederwahl alles andere als sicher.

Kilicdaroglu stammt aus der ostanatolischen Provinz Tunceli und gehört der religiösen Minderheit der Aleviten an. Der Oppositionsführer ist Befürworter einer EU-Mitgliedschaft seines Landes und Verfechter eines nationalistischen Kurses beim Thema Flüchtlinge. 

Kilicdaroglu ist Chef der Cumhuriyet Halk Partisi (CHP), einer dereinst von Staatsgründer Mustafa Kemal Atatürk gegründeten, sozialdemokratischen Partei. Kritiker werfen ihm vor, wenig charismatisch und keine Anführer-Figur zu sein, wie die Türkei sie brauche. Der 74-Jährige hält dagegen, die türkische Bevölkerung hätte ohnehin genug von Erdogan und dessen Führungsstil.

Parteien konnten sich lange nicht einigen
Das Bündnis hatte sich lange nicht auf einen gemeinsamen Kandidaten einigen können; in den vergangenen Tagen hatte sich sogar ein Zusammenbruch der Allianz angedeutet. Fünf Parteien wollten Kilicdaroglu ins Rennen schicken. Die Vorsitzende der nationalistischen Iyi-Partei, Meral Aksener, favorisierte hingegen die Bürgermeister der Metropolen Istanbul und Ankara, Ekrem Imamoglu und Mansur Yavas, die ebenfalls der CHP angehören.

Gut drei Monate nach dem verheerenden Erdbeben im türkisch-syrischen Grenzgebiet, mit mehr als 46.000 Toten allein in der Türkei, strebt Erdogan eine weitere Amtszeit an. Die Opposition wirft ihm unter anderem vor, das Land nicht ausreichend auf Erdbeben vorbereitet zu haben. Ein Auseinanderbrechen des Oppositionsbündnisses hätte Erdogan in die Karten gespielt.

Vorwürfe der Freunderlwirtschaft und Korruption
Schon vor der Erdbebenkatastrophe hatte der Präsident, der das Land seit 20 Jahren lenkt, eine Reihe von Krisen gleichzeitig zu bewältigen. Seine Wirtschaftspolitik setzte eine Inflationsspirale in Gang, die die Preise vergangenes Jahr um 85 Prozent ansteigen ließ. Zudem kämpft seine Regierung gegen Vorwürfe der Freunderlwirtschaft und Korruption an.

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