07.03.2023 09:25 |

Kolumne

Schauen Sie eigentlich noch fern?

Weniger Teenager schauen fern. Das hört sich erst einmal nach einer sehr guten Nachricht an. Doch ist dem wirklich so? Auch „Krone“-Kolumnist Robert Schneider nimmt sich dem Fernseh-Problem an und erklärt, warum es nicht unbedingt gut ist, dass weniger junge Menschen vor der Glotze hängen.

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Meinungsumfragen haben immer den Effekt, dass das herauskommt, was man eh schon gewusst hat. Der Unterschied ist, dass man sich dann offiziell auf dieses oder jenes Umfrage-Institut beziehen kann. Die schlechte Nachricht zuerst. Laut einer Umfrage des IMAS-Instituts-Linz schauen Teenager immer weniger fern. Nur noch knapp 24 Prozent der 14- bis 20-Jährigen nehmen eine Fernbedienung zur Hand. Die Benutzung von Streamingdiensten hat hingegen um ein paar Prozentpunkte zugenommen, bleibt aber auch mau.

Ist das wirklich eine schlechte Nachricht? Über solche Zahlen müssten alle jubeln, die glauben, dass zu vieles Fernsehen den Charakter verdirbt. Fernsehen verdirbt nicht. Es langweilt. Geht also das bürgerliche Kulturgut, sprich Abendland, wieder einmal unter? Natürlich nicht. Selten war eine Generation politisch wie wissensmäßig so gut informiert wie unsere Jugend. Aber was sie nicht leiden kann, ist das ewige Rumgelabere, das Einfach-nicht-auf-den-Punkt-bringen eines Inhalts, und sei er noch so unbedeutend. Junge Menschen haben ein Recht auf Ungeduld, weshalb genau die Medien angesagt sind, in denen sie selbst steuern können, was und wie lange sie etwas konsumieren. Sie hängen nicht mehr vor der Glotze. Sie hängen vor ihren Touchscreens. Zappen tun sie auch, nur heißt das jetzt Wischen.

Ich hing noch vor der Glotze. Wartete brav ab, bis die Fernsehansagerin mit hauchender Stimme das Abendprogramm skizziert hatte, um mich dann endlich bei Aktenzeichen XY und Eduard Zimmermann so richtig fürchten zu können. Heute schaue ich nicht mehr fern. Und zwar aus dem einen Grund. Das Öffentlich-Rechtliche, aber auch die privaten Sender haben in dem Wettlauf um die Quote einen Riesenfehler gemacht. Sie wollten wirken wie das Internet. Und genau das funktioniert eben nicht. Nicht im Fernsehen.

Robert Schneider
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