Guten Morgen

ORF muss sparen | Lieblings-Nachbarn

ORF soll sparen. Welche Meinung die Österreicher zur sich anbahnenden Finanzmisere des ORF haben, ist glasklar: Sie wollen keine Gebührenerhöhung, der Medienkonzern soll stattdessen sparen. Das ergab eine aktuelle Market-Umfrage im Auftrag des „Standard“ ebenso wie die aktuelle „Frage des Tages“ der „Krone“. Und was sagt die zuständige Medienministerin Susanne Raab zum Ruf des ORF-Generaldirektors an die Politik, die sich auftuende dramatische Finanzlücke in dem von ihm verwalteten Konzern aufzufüllen? Sie bezeichnet im „Krone“-Gespräch diese Forderung „schon als starkes Stück“. Raab verlangt stattdessen „mehr Effizienz und einen Kassasturz“. Der ORF müsse sparen, sie halte nichts davon, das Budget des Staatsfunks „jährlich aufzublasen“. Schließlich habe der ORF in den letzten 10 Jahren schon 20 Prozent Gebührenerhöhung bekommen. Dieses Nein von der ÖVP-Ministerin an die Adresse des ausgerechnet von der ÖVP in den ORF-Chefsessel gehievten Generaldirektors Weißmann kommentiert heute in der „Krone“ Innenpolitik-Leiterin Ida Metzger. Sie meint, dass sich Weißmann mit seinem „ungenierten Ultimatum“ wohl verkalkuliert habe. Vor allem müsse sich der ORF „die Frage stellen, ob vier TV-Kanäle, neun Landesstudios, zahlreiche Radio-Sender noch zeitgemäß sind.“ Und man müsse sich am Küniglberg auch die Frage stellen, worin die Privaten besser seien. Metzger: „Im Vergleich zur Konkurrenz wirken die Politik-Talkformate, Wahlkampf-Duelle oder Eigenproduktionen oft lähmend und aus der Zeit gefallen.“ Dass die Bevölkerung dafür nicht mehr bezahlen wolle, in Zeiten wo viele den Verzicht üben, verwundere daher nicht. Nein, auch beim ORF wird man den Gürtel enger schnallen müssen!

Lieblings-Nachbarn. Wenn die Deutschen bei Fußball-Weltmeisterschaften früh ausscheiden, was sie in jüngerer Vergangenheit öfters tun - dann hält sich die Trauer bei vielen Österreichern in gewissen Grenzen. Ein paar Krokodilstränen vielleicht, zur Schau getragenes Mitleid, eher aber Sticheleien ernten dann deutsche Arbeitskollegen, von denen es hierzulande ja nicht wenige gibt und deutsche Urlauber. Und umgekehrt? Die Deutschen mögen uns, wer hätte das gedacht! In einer repräsentativen Umfrage wollte die renommierte Presseagentur dpa wissen, welches der Deutschen liebstes Nachbarland sei. Immerhin grenzen neun Länder an die Bundesrepublik. Und da setzte sich Österreich klar auf Platz 1 - gewählt von 24 Prozent. Holland erreichte mit 17 Prozent den zweiten, Dänemark mit 13 Prozent den dritten Rang. Das darf uns zu denken geben. Wobei: Das hat es ohnehin längst schon. Wer sich an das deutsch-österreichische Verhältnis noch in den 70-ern und 80-ern des vergangenen Jahrhunderts samt der heiß umfehdeten TV-„Piefke-Saga“ erinnert, muss zum Schluss kommen, dass wir mittlerweile viel besser miteinander umgehen. Es wird wohl nicht zuletzt an den Deutschen liegen, die schon lange nicht mehr als mit ihren Erfolgen und ihrem Geld prahlende unsympathische Nachbarn wahrgenommen werden. Da helfen vielleicht auch manchmal Misserfolge im Fußball. Die kennen wir hierzulande ja zur Genüge. Das verbindet. Vermutlich würde in einer vergleichbaren Umfrage in Österreich doch glatt Deutschland zu unserem Lieblings-Nachbarland gewählt werden.

Kommen Sie gut durch den Mittwoch!

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