Guten Morgen

Leise Töne | Laute Töne

Leise auf der Palme. Dieser Vizekanzler ist wirklich bemerkenswert: Ein Haudegen mit vier Jahrzehnten politischer Erfahrung am Buckel. Fast die gesamte Zeitspanne trat er als Oppositionspolitiker auf - nicht selten wortgewaltig, auch immer wieder messerscharf in der Analyse und in seinen Worten. Stark auch in der Zuspitzung - manchmal so zugespitzt, dass er Regierungspolitiker damit auf die Palme trieb. Dort sitzt er nun selber und verteidigt die Politik jener Regierung, die er vor ziemlich genau drei Jahren mit Sebastian Kurz gebildet hat. Das „Beste aus beiden Welten“ versprachen Grüne und Türkise damals zu liefern. Für fünf Jahre wurde der Pakt zur Jahreswende 2019/2020 geschlossen, zwei Fünftel wären also noch zu absolvieren. Könnte sich doch tatsächlich ausgehen, wenn man in der heutigen „Krone“ liest, was der milde Werner Kogler im Doppelinterview mit der einst rebellischen und längst auch faserstreichelweichen Klubobfrau der Grünen, Sigrid Maurer, von sich gibt. Aus den einst lauten Oppositionellen wurden ganz leise, betuliche Regierungsverteidiger. Und das liegt sicher nicht an (nach-)weihnachtlicher Besinnlichkeit.

Laute Töne. Was sind es für Töne, die Kogler und Maurer im „Krone“-Interview von sich geben? Sie verteidigen die Koalition mit aller Kraft. Es sei sehr viel gelungen, betonen sie, das Klimaticket etwa oder die Abschaffung der kalten Progression. Warum die Menschen im Land trotzdem so unzufrieden seien, will „Krone“-Innenpolitikerin Ida Metzger wissen. Da verweist Kogler darauf, dass man diesen Trend in vielen Ländern sehe. Um ihn umzukehren müsste nicht nur in der Politik besser zusammengearbeitet werden. „Man muss das Verbindende vor das Trennende stellen und so daran arbeiten, dass das Vertrauen wieder steigt.“ Als wüssten wir das nicht längst … Und was sagen die beiden Grünen zur jüngst wieder besonders zugespitzten Asyl-Rhetorik des Regierungspartners? Auch da setzt es nur äußerst milde Töne. Das klingt zum Beispiel so: „Wichtig ist aber noch, dass wir an Lösungen arbeiten. Die Diskussion um Zäune und Mauern halte ich für einen überschaubaren Lösungsbeitrag.“ Was den von Nehammer und dem ÖVP-Innenminister Karner blockierten Schengen-Beitritt Rumäniens und Bulgariens betrifft sagt Kogler: „Am Schluss wird es so ausgehen, wie es in Europa immer ist: Es wird ein vernünftiger Lösungsansatz herauskommen.“ Und Nehammers „Kuscheln“ mit Ungarns Orbán, was hält Kogler davon? „Zu Orbán haben wir da einen unterschiedlichen Zugang, das muss man so sagen. Das ist ja öfter so und ändert ja nichts daran, dass wir in den meisten Fällen gemeinsam große Ergebnisse liefern.“ Große Ergebnisse? Na, das wären ja doch zur Abwechslung ganz laute Töne!

Kommen Sie gut durch den Mittwoch!

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