Chaos-Insel. Beim Jammern sind wir Österreicher gut, kein Zweifel. Wir Journalisten auch… Natürlich ist vieles berechtigt, manches aber eventuell auch ein bisschen übertrieben. Da lohnt es sich immer wieder, einen Blick über die Grenzen zu werfen. Nach Großbritannien etwa. „Insel versinkt im Streikchaos“ titeln wir heute in der „Krone“. Und tatsächlich beeinträchtigen die vielen Ausstände der unterschiedlichsten Berufsgruppen das Leben der Briten - darunter auch so manche Österreicher - ganz erheblich. Erheblich bis lebensbedrohlich - denn auch im Rettungswesen und der ohnehin schwerst maroden Gesundheitsversorgung wird gestreikt. Dazu legt immer wieder das Personal die öffentlichen Verkehrsmittel lahm. Soziale Verwerfungen, multiple Krisen, verheerende Politik und hinter, über und neben allem der Brexit. Schadenfreude ist sicher nicht angebracht. Aber wenn der eine oder andere EU-Europäer nun zum Schluss kommt, es sei vielleicht gar nicht so schlecht, dass die Briten nicht mehr in der Union sind - dann könnte man es ihm auch kaum verdenken.
Rockstar-Präsident.Viel schlimmer als die Briten dran bleiben natürlich weiter die Ukrainer. Aber im Gegensatz zu den Katastrophenpolitikern in Großbritannien steht im von Putin angegriffenen Land im Kriegszustand ein Politiker an der Spitze, dem es immer wieder gelingt, die richtigen Handlungen zu setzen. Oder zumindest die richtigen Worte und vor allem Gesten zu setzen. So wurde Wolodmir Zelenskij bei seinem ersten Auslandsbesuch seit Kriegsbeginn am Mittwoch im US-Kongress wie ein Rockstar empfangen - von Demokraten wie Republikanern. Sie spendeten donnernden Applaus, standen Spalier, schüttelten die Hände. Und Amtskollege Joe Biden legte Zelenskij väterlich/brüderlich den Arm um die Schultern. Ehe der Ukrainer wieder einmal eindringliche Worte fand und eine ukrainische Fahne mit Unterschriften von Soldaten aus der gerade heftigst umkämpften Frontstadt Bachmut überreichte. Der ukrainische Präsident ernte freilich nicht nur tosenden Applaus, er reiste auch mit der Zusicherung weiterer Milliarden, mit der Liefer-Zusage für das Patriot-Abwehrsystem und manchen Unterstützungen mehr heim ins Kriegsland. Der Abwehrkrieg geht weiter. Der Frieden allerdings - der rückt auch nicht näher.
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