Es polarisiert, das ist das Mindeste, was man über das österreichische Schengen-Veto für Rumänien und Bulgarien sagen kann. Wobei: Die Reaktionen in den beiden betroffenen Balkan-Ländern sind eindeutig und viel massiver, als man es sich hierzulande vermutlich vorgestellt hat: Anti-österreichische Demos, Aufrufe zum Boykott österreichischer Waren und Unternehmen, laute Aufforderungen, Österreich als Urlaubland zu meiden. In Österreich ist die Sichtweise in der Bevölkerung vermutlich eher umgekehrt, das beweisen eindeutige Ergebnisse etwa bei „Fragen des Tages“ auf krone.at oder die Tendenz in den Leserbriefen, die uns erreichen. Auch in unserer heutigen Ausgabe wird von einigen Lesern wieder das Veto begrüßt und Bundespräsident Alexander Van der Bellen, der an dieser Entscheidung heftige Kritik geäußert hatte, gescholten. In die Riege der Präsidenten-Kritiker und Veto-Applaudierer reiht sich auch „Krone“-Postler Michael Jeannée ein. Er verweist in seiner Sonntags-Kolumne auch auf einen ehemaligen Kollegen, der ihn bestärkt habe, darüber zu schreiben, dass durch die Schengen-Aufnahme völlig unkontrolliert Leute kämen, denen ihre Heimatländer keine Tränen nachweinten. Eine harte Aussage. Und: Es gibt auch gänzlich andere Einschätzungen zum Österreich-Veto.
Prestige geopfert. Solche gänzlich anderen Einschätzungen zum österreichischen Veto - die kommen auch aus der „Krone“-Redaktion. Kurt Seinitz mit seiner mehr als 50-jährigen außenpolitischen Erfahrung schreibt heute von einem „verheerenden Eigentor“, das wichtiges Vertrauen verspielt habe. Er zitiert Innenminister Karner, der „Keine Erweiterung in einem kaputten europäischen Migrationssystem“ Richtung Brüssel gedröhnt hatte. Seinitz verweist darauf, dass es nun aus Brüssel zurückdröhne „Und weshalb dann doch für Kroatien?“. Um gleich die Antwort zu liefern: „Weil die Österreicher schneller in den Urlaub kommen wollen.“ Schengen sei schließlich nicht das Migrationsproblem, denn dieses existiere auch innerhalb des Schengenraumes - in dem sich etwa Ungarn befindet. Angesichts der drohenden Folgen des Vetos nimmt sich Seinitz kein Blatt vor den Mund, wenn er zum Schluss kommt: „Diese Regierung hat ihr Prestige in Europa am Altar einer Landtagswahl geopfert.“ Etwas milder sieht die Debatte um Pro oder Contra Schengen-Veto „Krone“-Kolumnist Claus Pandi, wenn er heute schreibt: „Egal, in welchem Lager man in dieser Frage stehen mag: Gelöst wird mit diesem Streit kein einziges der großen Probleme unserer Zeit. Ganz im Gegenteil.“ Ja, das zumindest scheint gewiss!
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