GUTEN MORGEN

Blasse Hoffnung (1) | Blasse Hoffnung (2)

Darf uns das Hoffnung machen? Wenn der französische Präsident Macron zu Gast bei seinem amerikanischen Amtskollegen Joe Biden im Weißen Haus ist - und die beiden davon reden, dass sie mit Wladimir Putin reden würden, dann könnte man das als gutes Zeichen sehen. Freilich muss man diese jetzt in Washington vor dem großen Galadinner mit illustren Gästen zu vernehmenden Worte auf die sprichwörtliche Waagschale legen. Der Gastgeber leitete sein Statement ja schon mit dem bezeichnenden Satz „Lassen Sie mich meine Worte sehr sorgfältig wählen“ ein. Ehe er davon sprach, er sei bereit, „mit Herrn Putin zu sprechen“. Sogleich aber auch hinzufügte: „Wenn er (also Putin) tatsächlich ein Interesse daran zeigt, einen Weg zur Beendigung des Krieges zu finden“. Und da wiederum hinzufügte: „Das hat er noch nicht getan“. Außerdem werde er, Biden, nicht im Alleingang mit Putin sprechen, sondern nur in Abstimmung mit den NATO-Verbündeten. Und vor allem werde er nichts tun, was den Interessen der Ukrainer schade. Ein Friedensschluss oder zumindest eine Waffenruhe scheinen damit nicht gerade greifbar. Sind sich Beobachter doch auch einig, dass eine Waffenruhe derzeit vor allem den Russen in die Hände spielen würde. Weil sie dann neue Kräfte sammeln könnten, um im Frühjahr noch einmal voll anzugreifen. So kann das Gesprächsangebot von Biden und Macron höchstens ein blasser Hoffnungsschimmer sein.

Blasse Hoffnung (2). Er und sein Team haben schwere Wochen hinter sich - und müssen befürchten, dass noch schwerere Zeiten vor ihnen liegen. Walter Hämmerle, der engagierte Chefredakteur der „Wiener Zeitung“, der ältesten noch erscheinenden Tageszeitung der Welt, muss befürchten, dass seine Redakteurinnen und Redakteure sich neue Jobs suchen müssen, weil die türkis-grüne Regierung das Totenglöcklein für die im Eigentum der Republik stehende Wiener Zeitung läutet. Im Interview mit ihm habe ich gemeint, man frage sich als Journalist, was denn die Redaktion der „Wiener Zeitung“ der Regierung angetan habe, dass sie sich dieser Tageszeitung wie eines lästigen und ungeliebten Anhängsels entledigen wolle. Seine deutliche Antwort: „Guter Journalismus ist per se lästig für Regierungen und alle Mächtigen, er muss es sein.“ Kluge Politiker, meint Hämmerle, wüssten, „dass nicht nur die Menschen, sondern auch die Politik à la longue von unbequemem und unabhängigem Journalismus profitieren“. So gesehen könnte man das fast als Kompliment für die Redaktion interpretieren, findet er. Um freilich nachzusetzen: „Ich befürchte allerdings, zur Ungeliebtheit kommt ein noch größeres Maß an Gleichgültigkeit und Desinteresse der Eigentümervertreter.“ Der Umgang mit der „Wiener Zeitung“ sei ein Musterbeispiel, wie der Staat mit öffentlichem Eigentum nicht wirtschaften soll und darf. Und doch hat auch Hämmerle noch eine blase Hoffnung für den Fortbestand der „Wiener Zeitung“. Diese Woche endete die Begutachtungsfrist für den Gesetzesentwurf, der das Schicksal der Zeitung besiegeln würde - es kamen viele Stellungnahmen, die sich strikt gegen den Todesstoß aussprechen. Und was müsste das zuständige Kanzleramt jetzt tun? Hämmerle meint, das Kanzleramt müsste endlich alle potenziellen Investoren, Partner und Unterstützer an einem Tisch versammeln. Doch bisher habe man diese Interessenten „einfach gegen Gummiwände rennen“ lassen. Unter diesen Umständen verblasst fast jede Hoffnung.

Kommen Sie gut durch den Samstag!

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