„Der Arbeitsgesellschaft geht die Arbeit aus“ ist eine ebenso häufig geäußerte Befürchtung wie „Roboter, Computer und Automatisierung rauben uns die Arbeitsplätze“. Eingetreten ist bisher das Gegenteil. Es herrscht wachstumshemmender Arbeitskräftemangel und zunehmende Personalnot.
Was also ist geschehen? Einmal ist es die Demografie einer alternden Gesellschaft: Die geburtenstarken Jahrgänge gehen in den Ruhestand und können durch geburtenschwache nicht aufgefüllt werden. Gleichzeitig verhindert die ablehnende Haltung gegenüber Asylanten und Flüchtlingen deren Aufnahme in den Arbeitsprozess. Darüber hinaus führt fehlgeleitete Arbeitsmarktpolitik allgemein zu abnehmender Leistungsbereitschaft und trägt damit zu den Verwerfungen am Arbeitsmarkt bei.
Sicher ist, dass sich in vielen Bereichen die Arbeitswelt dramatisch verändert: Berufe mit oftmals monotoner, schwerer oder gefährlicher Arbeit sind weggefallen, und anstelle rauchender Schlote ist im Digitalzeitalter die Anforderung nach „rauchenden Köpfen“ entstanden. Es braucht daher neue Ansätze für die Zusammenarbeit von Mensch und Maschine (Stichwort Industrie 4.0), flexible Arbeitszeitmodelle mit zeitgemäßer Balance zwischen Arbeit und Erholung sowie die Lösung der sozialen Probleme der Gig-Ökonomie.
Vor allem aber brauchen wir dem Digitalzeitalter entsprechende Qualifikationen. Unser gegenwärtiges Bildungs- und Ausbildungssystem entspricht in keiner Weise den heutigen Anforderungen und bedarf dringend zeitgemäßer Verbesserung. Dies auch deswegen, um Frauen die Vollzeitarbeit zu ermöglichen. Schließlich sind 70 Prozent der Mütter berufstätig.
Veränderungen braucht es auch bei der teuren und fehlleitenden Arbeitsmarktpolitik, die derzeit weniger dazu beiträgt, Beschäftigung zu vermitteln, als vielmehr Arbeitslosigkeit zu fördern. Dies gilt vor allem für die oft wirkungslosen, meist aber teuren „Umschulungsmaßnahmen“. Die Folge ist unnötig hohe Arbeitslosigkeit bei nahezu gleich hohem Arbeitskräftemangel. Ersteres belastet das Budget in Milliardenhöhe, Zweiteres kostet Wirtschaftskraft.
Und schließlich tragen auch die hohen Arbeitskosten zu den Verwerfungen bei, die zudem ein gravierendes wettbewerbsbeeinträchtigendes Problem darstellen. Als Folge weit überhöhter Lohnnebenkosten hat Österreich mit 39 Euro pro Stunde die fünfthöchsten Arbeitskosten in Europa. Zugleich aber sind die Nettobezüge der Beschäftigten unterdurchschnittlich gering. Zu wenig Netto vom Brutto! Damit ist der Anreiz, aus Arbeitslosigkeit wieder in Vollzeitarbeit zu gehen und zu bleiben, zu gering.
Folgerichtig müsste das derzeit bestehende Verhältnis von Arbeitskosten und Nettolöhnen aufgrund der Lebensnebenkosten von 3:1 bzw. im Durchschnitt 39 Euro gegenüber 12 Euro auf wenigstens 2:1, d. h. 34 Euro zu 17 Euro verschlankt werden - schon deshalb, weil zu den hohen Arbeitskosten wettbewerbsverschlechternd auch noch die hohen Energiekosten und all die Kosten des Regulierungswahns wie der jakobinischen Ökobe- und -verhinderungen hinzukommen.
Wenn wir also unnötige Wohlstandseinbußen und die Gefährdung der Finanzierung unserer Sozialsysteme verhindern wollen, sind grundlegende und entschlossene Änderungen des bestehenden Systems im Interesse der Generation Z überfällig.
Hannes Androsch, Gastkommentar
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