Man muss sich das schon einmal auf der Zunge zergehen lassen: Die Wien Energie ist ein Unternehmen der öffentlichen Hand, das also am Ende dem Steuerzahler gehört. Da möchte man meinen, dass Transparenz eine Selbstverständlichkeit sein sollte.
Das Gegenteil war der Fall. Quasi über Nacht melden sich die Verantwortlichen beim Finanzminister, dass sie auf einmal Milliarden an Sicherheiten benötigen. Details werden nicht genannt, schließlich müsse man „die zwei Millionen Wiener Stromkunden retten.“
Das Mindeste wäre gewesen, dass Manager und Eigentümervertreter der Öffentlichkeit offensiv entgegentreten und aufklären, was da in den letzten Monaten passiert ist. Wien Energie hat sich offenbar auf riskante Derivat-Geschäfte mit Strom eingelassen in einer Dimension, deren Folgen noch nicht absehbar sind.
Doch es wurde gemauert und gemauschelt, man versteckt sich hinter politischen Floskeln und hinter dem „Geschäftsgeheimnis“. Die verantwortlichen Herren scheinen ordentlich auf der (langen) Leitung zu stehen. Denn sonst würden sie begreifen, dass der Steuerzahler ein Recht hat zu erfahren, warum ein regionaler Versorger auf einmal mit Milliarden auf dem Finanzmarkt jongliert.
Der Rechnungshof ist alarmiert, der Wiener Bürgermeister hat eine Sonderprüfung angeordnet. Am Ende wird wohl die Leitung zu denen, die dieses Spekulations-Desaster zu verantworten haben, gekappt werden müssen.
Da dieser Artikel älter als 18 Monate ist, ist zum jetzigen Zeitpunkt kein Kommentieren mehr möglich.
Wir laden Sie ein, bei einer aktuelleren themenrelevanten Story mitzudiskutieren: Themenübersicht.
Bei Fragen können Sie sich gern an das Community-Team per Mail an forum@krone.at wenden.