Der geplante Verkauf der in Linz ansässigen Stickstoffsparte der Borealis an die tschechischen Agrofert-Gruppe sorgt nach wie vor für kritische Stimmen. Nicht alle Bedenken teilt Bürgermeister Klaus Luger. Trotzdem kämpft er um ein Eingreifen der ÖBAG.
Anfang Juni gab die Borealis den geplanten Verkauf der Stickstoffsparte, die in Linz rund 700 Mitarbeiter zählt, an die tschechische Agrofert bekannt - fünfeinhalb Wochen später rumort es noch immer. Niederösterreichs Bauernbund wettert mit Kartellrechtsexperten gegen den 810-Millionen-€-Deal, den auch die EU-Kommission genau prüfen wird.
Nun tat Ralph Rosenhain seine Bedenken kund. Der pensionierte technische Einkaufsleiter der ehemaligen Agrolinz, die heute als Borealis Agrolinz Melamine firmiert, nennt den Verkauf gegenüber der APA „ein Desaster“: Das Fortbestehen des Firmenverbunds würde von einem nicht für seine Zuverlässigkeit bekannten Agrofert-Besitzer abhängig gemacht, dem früheren tschechischen Ministerpräsidenten Andrej Babiš.
Dass die Stickstoffsparte ins Ausland verkauft wird, sehe ich nicht kritisch. Doch: An dem Bereich hängt auch die Infrastruktur des Chemieparks.
Klaus Luger, Bürgermeister der Stadt Linz
Auch der Linzer Bürgermeister Klaus Luger hat die Zukunft des gesamten Chemieparks im Blick. Schließlich sind die Firmen am Gelände über die Abwärme und Entsorgung aller Reststoffe eng verbunden - und hier ist Dreh- und Angelpunkt der aktuelle Borealis-Standort.
Vorschlag: ÖBAG soll Infrastruktur kaufen
Was ist, wenn Agrofert die Produktion in Linz nach Belieben aus- und einschaltet, wie es befürchtet wird? Luger schlägt vor, dass die ÖBAG (Österreichische Beteiligungs AG) diese Chemiepark-Infrastruktur kaufen soll, ehe sie an die Agrofert geht. Luger: „Es soll später nicht heißen, wir hätten das nicht gesehen. Wir sind nicht blauäugig.“















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