Die Lohmann-Dynastie

Wie die Fotokunst das Ötztal verändert hat

Tirol
29.06.2022 11:00

Jahrzehntelang war es das Medium Fotografie, das Impressionen in die Welt hinaustrug. „Beruf: Fotokaufmann - der Blick der Familie Lohmann auf das Ötztal“ heißt die einzigartige Sonderausstellung im „erbe kulturraum“ der Raika Sölden. Die Bilder der Fotografen-Dynastie Lohmann zeigen die rasante Veränderung des einst landwirtschaftlich geprägten Tales.

Erst weckten sie die Sehnsucht nach der einzigartigen Bergwelt des Ötztales, heute sind sie Zeitzeugen der gravierenden Metamorphose einer Tourismusdestination: die Bilder der vier Generationen übergreifenden Fotografen-Dynastie Lohmann. In den frühen 1930er Jahren übersiedelte der mit dem „Foto-Gen“ seines Vaters bereits infizierte Fotograf und Fotokaufmann Walter Lohmann mit seiner Familie von Mönchen-Gladbach ins hintere Ötztal. Er war ein Besessener der Fotografie. Sein Ansinnen: Jeden Winkel der Umgebung – auch im hochalpinen Raum – mit Kamera und Stativ zu erkunden und zu dokumentieren. Die Kuratoren Petra Paolazzi und Niko Hofinger erhielten Zugang zu den Familienarchiven und inszenierten im „erbe kulturraum sölden“ die Sonderausstellung „Beruf: Fotokaufmann. Der Blick der Familie Lohmann auf das Ötztal“, die seit gestern bestaunt werden kann.

Lohmann schleppte 20 Kilo schwere Fotoplatten ins Gebirge
„Früher war die Fotografie eine beschwerliche Kunst“, weiß Kurator und Historiker Hofinger, „der begeisterte Bergsteiger Walter Lohmann schleppte oft 20 Kilogramm schwere Fotoplatten in das Hochgebirge.“ Was dabei allerdings entstand, sei von höchster Akribie und Perfektion gekennzeichnet und könne als „spektakulär“ bezeichnet werden. Die Lohmanns waren darüber hinaus geschickte Kaufleute. Als von Reisenden in großer Zahl nach Hause versendeter – und somit auch gekaufter – Gruß aus dem Ötztal in Form von Ansichtskarten und Panoramen erlangten die Bilder weltweite Verbreitung.

Fotografen und Fotokünstler
Heute dokumentieren die Ausstellungsexponate der Lohmann-Brüder von den 1930er bis zu den 1970er Jahren die radikale Entwicklung des hinteren Ötztales speziell durch den Tourismus: Hotelarchitektur oder etwa die Ablöse der Live-Musik durch den Wurlitzer. Die Aufnahmen von und um Sölden, Gurgl und Vent zeigen die krassen Veränderungen von Ort und Landschaft. „Die Tourismusgeschichte wird quasi miterzählt“, sagt Kuratorin Petra Paolazzi. Die Bilder, die Walter, sein Bruder Alexander und sein Sohn Werner im Ötztal aufnahmen, könnte man als erste Tourismusprojekte bezeichnen. Sie trugen das Bild des Tales in die Welt. Dem immer noch weltreisenden Enkel Alexander Maria Lohmann ist übrigens die gesamte obere Etage gewidmet. Seine Werke lassen verstehen, dass der Unterschied zwischen Fotograf und Fotokünstler mehr als eine Nuance ist. Die seltenen Exponate dreier Generationen sind bis zum 21. Oktober im „erbe kulturraum“ der Raika Sölden ausgestellt.

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