29.06.2022 10:29 |

Luxuriös wie nie

Range Rover: Der Neue greift sogar Rolls-Royce an

Ja, große SUVs gibt es auch in schön und elegant. Das ist eine Kunst, die sie bei Land Rover anhand des Range Rover immer weiter verfeinert haben. Die fünfte Generation steht in ihrer ganzen Distinguiertheit derart nahtlos da, dass das Auge widerstandslos drüberstreicht und puren Luxus, gleichermaßen aber auch Understatement wahrnimmt. Und dann sind wir eingestiegen und losgefahren …

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An dieser Stelle kommt das Ohr ins Spiel, das Ruhe wahrnimmt, selbst wenn man aufs Gas steigt. Man rauscht dahin, ohne dass jemals ein Motor angestrengt klingt, sei es ein Sechszylinder-Diesel oder ein V8-Benziner. Das geringe Geräuschniveau kommt nicht nur von toller Dämmung, sondern auch vom integrierten Noise-Cancelling-System. Noch leiser wird es ab 2024 in der batterieelektrischen Version (oder zeitweise schon jetzt im Sechszylinder-Benzin-Hybrid. Es ist das Gefühl, umfangen zu sein, das immer mitfährt. Entkoppelt von der Außenwelt. Getragen. Schwebend.

Das ist der Gipfel
Mit über 50 Jahren kommt man entweder in die Jahre oder das Leben geht erst richtig los. Beim Range Rover gilt Letzteres: So monumental und zugleich drahtig hat er noch nie gewirkt. Nichts trägt dick auf, obwohl er doch so ein Dickschiff ist, mit knapp 2,4 bis über 2,7 Tonnen, plus Sonderausstattung. Der Achtzylinder, den wir antesten konnten, kam auf 2,8 Tonnen.

So drahtig, wie er aussieht, fährt er sich natürlich nicht, obwohl Luftfederung und Hinterradlenkung (sieben Grad Lenkwinkel!) serienmäßig sind. Auch die aktive Wankkontrolle macht den Rangy nicht zum Konkurrenten eines BMW X5 M. Muss sie aber auch nicht. Denn sonst wäre es vorbei mit der beschriebenen Entkoppelung. Eine verbindliche Beziehung zur Straße darf man sich hier nicht erwarten. Die Lenkung spricht zwar sehr direkt an, ist aber indirekt übersetzt, man muss also relativ weit kurbeln; und ein Gefühl für den Fahr(bahn)zustand vermittelt sie kaum.

Das interessiert spätestens dann nicht, wenn man hinten Platz nimmt, um sich chauffieren zu lassen. Viel relevanter ist dann, dass der Range Rover ein richtig guter Gleiter ist, der Bodenunebenheiten sehr gut kaschiert. Mit 23-Zoll-Rädern rollt er natürlich eine Spur ruppiger ab, dafür tun sie der Optik gut. Solange man nicht die herausragenden Offroad-Fähigkeiten ausprobiert. Knapp 30 Zentimeter Bodenfreiheit (wenn das Luftfahrwerk auf höchster Stufe steht) und Böschungswinkel von 32,1 Grad vorne und 29 Grad hinten verleiten zwar zum Ausflug ins Grobe, aber spätestens bei einer Wasserdurchfahrt über ein steiniges Flussbett (was bis 90 Zentimeter Wassertiefe möglich ist) werden die teuren Alus Kratzer davontragen.

Innen kleiner als außen
Zurück in die zweite Reihe. Stolz sind sie auf die vielfach elektrisch verstellbaren Lounge-Einzelsitze in der zweiten Reihe mit der Extra-Trennwand zum Kofferraum. Die sind jedoch nur für wirklich klein gewachsene Mitfahrer geeignet (oder für große hinter einem sehr kleinen Fahrer/Beifahrer), denn Kniefreiheit ist Mangelware. Dann vielleicht doch lieber die Standardrückbank. Oder die Version mit langem Radstand (3,20 m statt 3,00 m), die in der Länge 5,25 Meter statt 5,05 m misst. Da ist Platznot logischerweise kein Thema. Und dank der gelenkten Hinterräder ist man damit auch im Stadtverkehr nicht aufgeschmissen (Wendekreis: 11,96 Meter, mit kurzem Radstand nur 11,34 Meter).

Infotainment, neueste Generation
Der zentrale Touchscreen ist ein 13,1-Zoll-Curved-Display. Erstmals in einem Land Rover gibt er im neuen Range Rover beim Berühren und Drücken ein haptisches Feedback. Das ist gewöhnungsbedürftig.

Anders als in anderen Fahrzeugen mit aufgesetztem Bildschirm wirkt dieser durch seine Wölbung nicht so, als hätte der Designer das Display vergessen und es eilends im Nachhinein drangeschraubt. Ebenso positiv: Land Rover hat nicht auf eine dezidierte Klimabedienung verzichtet. Allerdings weisen die Drehregler eine Besonderheit auf - nämlich drei Bedienebenen. Drehen in normaler Ebene ändert die eingestellte Temperatur, Hineindrücken aktiviert die Sitzheizungseinstellung, Herausziehen die Gebläseverstellung.

Als Infotainmentsystem kommt die neueste Generation des hauseigenen Pivi Pro zum Einsatz. Darüber lassen sich u.a. die optional elektrisch öffnenden/schließenden Türen kontrollieren, die auch noch bei einer Neigung von bis zu 10 Grad funktionieren. Spotify ist ebenso an Bord wie die Sprachsteuerung über Alexa. Für perfekten Musikgenuss ordert man am besten das Meridian Signature Soundsystem mit 1600 Watt, zu dem auch Lautsprecherpaare in den Kopfstützen der Vordersitze sowie der äußeren Sitze in Reihe zwei gehören.

Das Noise Cancelling System sendet ein Geräuschunterdrückungssignal an die 35 Lautsprecher des Soundsystems, inklusive Kopfstützen.

Umfangreiche Motorenpalette
Für den neuen Range Rover gibt es ungewöhnlich viele Motoren. Die Verbrenner-Antriebspalette umfasst drei Sechszylinder-Diesel (250, 300 und 350 PS), einen Sechszylinder-Mildhybrid-Benziner mit 400 PS sowie einen 4,4-Liter-V8 mit 530 PS.

Dazu kommen die zwei Plug-in-Hybrid-Sechszylinder P440e und P510e mit 440 bzw. 510 PS Systemleistung. Ihre netto 31,8 kWh speichernde Lithium-Ionen-Batterie (brutto 38.2 kWh) ermöglicht eine elektrische WLTP-Reichweite von bis zu 100 Kilometern und erlaubt ein elektrisches Höchsttempo von 140 km/h. Im Jahr 2024 soll eine batterieelektrische Version des Range Rover lanciert werden.

Die Preisliste beginnt in Österreich bei 147.730 Euro für den Range Rover D250 SE. Topmodell mit kurzem Radstand ist der Range Rover P530 SV um 266.546 Euro. Mit langem Radstand kostet er 298.164 Euro.

Bei diesen Preisen lässt sich natürlich nach oben noch einiges machen. Kein Range Rover war ein derart starker Konkurrent für Luxusautos wie Bentley Bentayga und Rolls-Royce Cullinan. Wenn man ihn entsprechend ausstattet.

Unterm Strich
Den Range Rover SUV zu nennen ist noch immer unfair, denn in Wahrheit ist er ein Geländewagen. Ein ernstzunehmender. Gleichzeitig bedient er aber Auch Luxusklientel mehr denn je. Und das schöner und weniger abgehoben als das Rolls-Royce mit dem Cullinan macht. Eine verbindlichere Lenkung und weniger vergeudeter Platz auf den Rücksitze würden die Empfehlung für den dicken Briten noch deutlicher machen.

Warum?
Toller Auftritt
Entkoppelt schweben statt fahren
Sehr angenehme Motoren

Warum nicht?
Gefühllose Lenkung
Platzproblem mit hinteren Lounge-Sitzen

Oder vielleicht …
… BMW X7, Bentley Bentayga, Rolls-Royce Cullinan

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