Mo, 21. Jänner 2019

Laut Manifest

27.07.2011 19:02

Anders Breivik plante Ausbruch für "Bonusmission"

Der rechtsradikale norwegische Attentäter Anders Behring Breivik wird nach seinen Anschlägen mit mindestens 76 Toten in der Haftanstalt Ila bei Sandvika westlich von Oslo festgehalten. Dabei soll er in einer sieben Quadratmeter großen Zelle (Bild) rund um die Uhr überwacht werden, um einen Selbstmord auszuschließen. In seinem Manifest fantasierte der 32-Jährige hingegen bereits von einem Ausbruch, um nach erfolgreichen Anschlägen eine "Bonusmission" zu absolvieren.

"Wenn ein Tempelritter einmal verhaftet wird, sollte er alles in seiner Macht Liegende versuchen, um aus dem Gefängnis zu fliehen. Ist dies erfolgreich, so sollte er sofort mit der 'Bonusmission' beginnen, die darin besteht, drei bis fünf Kategorie-B-Verräter zu exekutieren", schrieb Breivik in seinem 1.500-Seiten-"Kompendium".

Beim Ausbruch hofft Breivik in seiner Schrift dabei auch auf die Mithilfe der Gefängniswärter: "Jeder Justizwachebeamte und Polizist, der diese Zeilen liest, sollte wissen, dass es seine Pflicht ist, einem Tempelritter bei der Flucht zu helfen (Tipp: Schau einfach weg)."

Extra-Versteck für die "Bonusmission"
Um für den Fall einer erfolgreichen Flucht vorbereitet zu sein, sollte noch vor Beginn der ersten "Mission" und der Verhaftung ein Extra-Versteck angelegt werden, das nur für diese eine Aufgabe mit Waffen, Nahrung und diversen Drogen bestückt werden sollte. Zudem sollten 1.000 bis 5.000 Euro bereitliegen.

Als perfekte Tarnung auf der Flucht schlägt Breivik eine Polizeiuniform samt falschem Bart und Brillen vor - "so kann man vortäuschen, dass man auf der Suche nach dem 'Verdächtigen' ist". Mit dieser Verkleidung hatte sich der 32-Jährige am Freitag auch auf die Insel Utöya geschlichen, um dann wahllos wehrlose Jugendliche zu erschießen.

Attentäter derzeit in Isolationshaft
Ein Ausbruch Breiviks dürfte aber sehr unwahrscheinlich sein: Derzeit wird er in der Haftanstalt Ila in völliger Isolation gehalten. Die Zelle des 32-Jährigen enthält nur Bett, Toilette, Sessel und einen Tisch. Kontakt mit anderen Gefangenen sei in den ersten vier Wochen ausgeschlossen.

In dieser Zeit darf der teilgeständige Attentäter ausschließlich mit seinem Anwalt Geir Lippestad und der Polizei sprechen. Außerdem sollen zwei Rechtspsychiater mit einer mehrmonatigen Untersuchung des Inhaftierten auf seinen Geisteszustand beginnen.

Nur noch ein Utöya-Vermisster?
Unbestätigten Medienberichten zufolge wird mittlerweile nur noch eine Person nach dem Utöya-Amoklauf vermisst. Der Osloer Sender TV2 berichtete am Mittwoch unter Berufung auf Beteiligte an der Suchaktion, dass die Polizei die bisher veröffentlichte Zahl von vier oder fünf Vermissten intern nach unten korrigiert habe. Die Polizei kommentierte die Angaben nicht und will keine Vermisstenzahlen mehr veröffentlichen.

Ein Behördensprecher sagte lediglich, die Suche im Tyrifjord werde fortgesetzt. Die Insel Utöya soll bis auf Weiteres für die Öffentlichkeit gesperrt bleiben. Wegen des Schweigens der Polizei ist auch weiter unklar, ob noch Menschen nach der Explosion im Osloer Regierungsviertel mit mindestens acht Toten vermisst werden. Angeblich soll nach wie vor von zahlreichen Justizbeamten jede Spur fehlen.

Die Poliizei veröffentlichte am Mittwoch außerdem die Namen von weiteren Personen, die bei dem Massaker von Utöya ums Leben gekommen waren. Am Vortag waren die ersten vier Namen bekannt gegeben worden. Ministerpräsident Jens Stoltenberg teilte in Oslo mit, dass die norwegische Regierung die Begräbniskosten für alle Getöteten übernehmen will.

Weitere Terrorzellen unwahrscheinlich
Unterdessen sind sich die Ermittler immer sicherer, dass Breivik trotz anderslautender eigener Erklärungen keinerlei Komplizen hatte. Für ein solches Netz rechtsextremistischer Zellen fehle nach wie vor "jeder Beweis", so die Chefin des norwegischen Geheimdienstes PST, Janne Kristiansen. Breivik hatte nach Angaben seines Anwalts behauptet, Kontakte zu zwei "Zellen" in Norwegen und weiteren im Ausland gehabt zu haben. Sie halte das für "möglich, aber nicht für sehr wahrscheinlich", sagte Kristiansen.

Ebenfalls am Mittwoch wurden weitere Details zur Festnahme des Attentäters bekannt. Demnach sei die Einsatzgruppe "Delta" mit insgesamt neun Beamten auf die Insel vorgerückt. Während die Beamten rund 300 Meter weit durch "schwieriges Terrain" in Richtung der zu hörenden Schüsse an der Südspitze von Utöya gelaufen seien, hätten sie immer wieder "Bewaffnete Polizei!" gerufen, um die Aufmerksamkeit des Schützen auf sich zu ziehen. Breivik habe das Einsatzkommando schließlich mit erhobenen Armen empfangen, so ein Behördensprecher. Seine Waffen lagen zu diesem Zeitpunkt bereits rund 15 Meter hinter ihm.

Polizeieinsatz wird nach Kritik überprüft
Weil bis zu dem Eingreifen der Polizei nach Meinung vieler Norweger aber zu viel Zeit verstrichen war, soll der Einsatz nun ausführlich untersucht werden. "Wir wollen feststellen, was funktionierte und was weniger gut funktionierte", sagte Ministerpräsident Stoltenberg am Mittwoch in Oslo. Daraus müssten Lehren für das künftige Handeln der Polizei gezogen werden.

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