07.06.2022 13:48 |

Pommers Feierabend

Der große Blackout wird kommen

Einen schönen Dienstagabend.

Sind Sie auf den Blackout vorbereitet, wird man dieser Tage oft gefragt, und meine Antwort ist Nein. Ich bin eine Person, die sogar von Pfingsten überrascht wird, und das christliche Fest wurde zum ersten Mal im Jahr 130 begangen. Ich hatte also ein paar Jahre Zeit, mich auf das verlängerte Wochenende vorzubereiten, und dennoch stand ich am gestrigen Montag vor meinem Kühlschrank und schaute auf ein paar Lebensmittel, die nach Überschreitung ihrer Lebensdauer die Fähigkeit gewonnen hatten zurückzuschauen. Wir starrten einander lange an, die Lebensmittelwesen flehten um Erlösung, aber ich war für jede Form der Barmherzigkeit zu hungrig. Mein Fazit: Wenn der Blackout länger als ein Wochenende dauert, bin ich aufgeschmissen, aber dank meines Kühlschrankes wenigstens nicht alleine.

Um ohne Strom daheim über die Runden zu kommen, benötigen Sie einen Getränke- und Lebensmittelvorrat für sieben Tage. Sie brauchen Ersatzbeleuchtung, Ersatzkochgelegenheiten und Empfangseinrichtungen, am besten ein Kurbelradio. Ich möchte Ihnen - vor allem als abschreckendes Beispiel - kurz nennen, was ich daheim habe: Getränke- und Lebensmittelvorrat für sieben Minuten, einen Gaskocher ohne Gaskartusche, Feuerzeug ohne Kerzen, batteriebetriebenes Radio ohne Batterien, ein paar Pflaster, aus. Während andere im Kerzenschein essend vor ihren Kurbelradios sitzen, muss ich plündernd durch die Straßen ziehen. Wie gestern auch. Seien Sie also nicht wie ich, und bereiten Sie sich vor.

Es gibt ein paar Orte, an denen man sich beim großen Stromausfall jedenfalls nicht aufhalten sollte: bei mir zu Hause, in einem Aufzug, in einem Sessellift oder im Operationssaal eines Krankenhauses. Ich weiß, die haben Notstromaggregate, aber ich schaue gelegentlich „Grey‘s Anatomy“, ich kenne mich aus. Auch auf der Liste: der Wiener Prater. Stellen Sie sich das vor: Blackout - und Sie hängen verkehrt herum in der Hochschaubahn fest. Eine dieser Hals-über-Kopf-Entscheidungen, die man schnell bereut. Gefangen in der Geisterbahn schockiert all jene Wiener, die schon einmal mitten in der Rushhour wegen eines schadhaften Zuges in der U6 eingepfercht waren, hingegen weniger - die Protagonisten im „Geisterschloss“ reden einen wenigstens nicht an. Und dass im Schweizerhaus regelmäßig die Lichter ausgehen, ist auch keine Seltenheit. Der große Blackout wird kommen, sagen die Experten. Ich werde dann genauso überrascht sein wie über Pfingsten 2023.

Ich wünsche einen schönen Feierabend, so Sie einen haben.

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