Der Rechnungshof (RH) nahm die Finanzgebarung und die Struktur des Verbandes während der vergangenen Jahre unter die Lupe. Ein Teil des Berichts widmet sich dabei Devisenoptions- und Aktiengeschäften, die aus einer anfänglichen Gewinnsituation heraus ab 2007 der aus 30 Gemeinden bestehenden Organisation letztlich einen siebenstelligen finanziellen Verlust bescherten. Nach einer Einigung mit der Bank Austria schaffte der Verband den Ausstieg bei den Devisenoptionen ohne Schaden.
Über 85 Prozent der Rücklagen "risikoreich" angelegt
Bei den Aktiengeschäften listet der RH eine Fülle von Kritikpunkten auf: Über 85 Prozent der Rücklagen des Verbandes seien "risikoreich" in Aktien und Zertifikate angelegt worden, die Anlage sei dabei ausschließlich in der Immobilienbranche erfolgt. Zudem hätten bloß zwei einzelne Titel sage und schreibe 86,8 Prozent der gesamten Wertpapierveranlagung erfasst. Die Aktien der Immobilienanlagen-Gesellschaft habe man als "mündelsicher" angesehen, damit sei man jedoch ein hohes Risiko eingegangen, hieß es in dem Bericht.
Das vom Vorstand gewählte Finanzierungsmodell habe mannigfaltige Risiken in sich vereint. Nachdem sich die Wertpapierveranlagungen in den ersten Jahren zunächst besser als geplant entwickelt hätten, habe 2007 besonders wegen der Finanzkrise "eine steil abwärts verlaufende" Trendumkehr eingesetzt. Beim Verkauf des Wertpapierportfolios Ende 2009 bzw. Anfang 2010 habe sich der Verlust auf 4,78 Millionen Euro, das sind 48,3 Prozent des eingesetzten Kapitals, belaufen. Die 88 zwischen 2001 und 2007 abgeschlossenen Devisenoptionsgeschäfte schlugen mit 2,41 Millionen Euro negativ zu Buche.
Weder qualifiziertes Personal noch Softwaretechnik
Während die Verluste bei den Devisenoptions zur Gänze ausgeglichen werden konnten, gelang dies bei den Wertpapierveranlagungen laut RH bis Mai des Vorjahres lediglich zu 58 Prozent. Insgesamt war für den Verband somit ein Gesamtverlust von zwei Millionen Euro zu erwarten, wurde festgestellt. Nach Ansicht des RH habe der Verband weder über ausreichend qualifiziertes Personal noch über die Softwaretechnik verfügt, um diese Geschäfte durchzuführen.
Verbandsgeschäftsführer Portschy bestätigte am Donnerstag die Höhe des vom RH festgestellten Verlustes von 2,01 Millionen Euro. Er verwies allerdings umgehend auf die Leistungen des Wasserverbandes in den vergangenen Jahren. Man sei vom einem kleinen Verband zum zweitgrößten Wasserversorger des Landes gewachsen und habe die Zahl der Mitgliedsgemeinden von anfänglich fünf auf 30 aufgestockt. Zu den Spekulationsgeschäften meinte Portschy, man habe der Bank vertraut, die das Risiko heruntergespielt hätte.
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