Heftige RH-Kritik

Zwei Mio. € Verlust für Wasser-Verband durch Spekulation

Burgenland
14.07.2011 15:14
Spekulationsgeschäfte mit Devisenoptionen und Aktien haben dem Wasser-Verband Südliches Burgenland seit dem Jahr 2001 einen Verlust in Höhe von zwei Millionen Euro eingebrockt. Das geht aus dem aktuellen Bericht des Rechnungshofes hervor. Neben vernichtender Kritik am Finanzmanagement gab es von der Kontrollbehörde aber auch Lob, allerdings nur für Wasserqualität und Versorgung. Der Geschäftsführer des Verbandes, Christian Portschy, verwies am Donnerstag auf zwischenzeitliche Gewinne, man habe aus den Fehlern gelernt.

Der Rechnungshof (RH) nahm die Finanzgebarung und die Struktur des Verbandes während der vergangenen Jahre unter die Lupe. Ein Teil des Berichts widmet sich dabei Devisenoptions- und Aktiengeschäften, die aus einer anfänglichen Gewinnsituation heraus ab 2007 der aus 30 Gemeinden bestehenden Organisation letztlich einen siebenstelligen finanziellen Verlust bescherten. Nach einer Einigung mit der Bank Austria schaffte der Verband den Ausstieg bei den Devisenoptionen ohne Schaden.

Über 85 Prozent der Rücklagen "risikoreich" angelegt
Bei den Aktiengeschäften listet der RH eine Fülle von Kritikpunkten auf: Über 85 Prozent der Rücklagen des Verbandes seien "risikoreich" in Aktien und Zertifikate angelegt worden, die Anlage sei dabei ausschließlich in der Immobilienbranche erfolgt. Zudem hätten bloß zwei einzelne Titel sage und schreibe 86,8 Prozent der gesamten Wertpapierveranlagung erfasst. Die Aktien der Immobilienanlagen-Gesellschaft habe man als "mündelsicher" angesehen, damit sei man jedoch ein hohes Risiko eingegangen, hieß es in dem Bericht.

Das vom Vorstand gewählte Finanzierungsmodell habe mannigfaltige Risiken in sich vereint. Nachdem sich die Wertpapierveranlagungen in den ersten Jahren zunächst besser als geplant entwickelt hätten, habe 2007 besonders wegen der Finanzkrise "eine steil abwärts verlaufende" Trendumkehr eingesetzt. Beim Verkauf des Wertpapierportfolios Ende 2009 bzw. Anfang 2010 habe sich der Verlust auf 4,78 Millionen Euro, das sind 48,3 Prozent des eingesetzten Kapitals, belaufen. Die 88 zwischen 2001 und 2007 abgeschlossenen Devisenoptionsgeschäfte schlugen mit 2,41 Millionen Euro negativ zu Buche.

Weder qualifiziertes Personal noch Softwaretechnik 
Während die Verluste bei den Devisenoptions zur Gänze ausgeglichen werden konnten, gelang dies bei den Wertpapierveranlagungen laut RH bis Mai des Vorjahres lediglich zu 58 Prozent. Insgesamt war für den Verband somit ein Gesamtverlust von zwei Millionen Euro zu erwarten, wurde festgestellt. Nach Ansicht des RH habe der Verband weder über ausreichend qualifiziertes Personal noch über die Softwaretechnik verfügt, um diese Geschäfte durchzuführen.

Verbandsgeschäftsführer Portschy bestätigte am Donnerstag die Höhe des vom RH festgestellten Verlustes von 2,01 Millionen Euro. Er verwies allerdings umgehend auf die Leistungen des Wasserverbandes in den vergangenen Jahren. Man sei vom einem kleinen Verband zum zweitgrößten Wasserversorger des Landes gewachsen und habe die Zahl der Mitgliedsgemeinden von anfänglich fünf auf 30 aufgestockt. Zu den Spekulationsgeschäften meinte Portschy, man habe der Bank vertraut, die das Risiko heruntergespielt hätte.

Loading...
00:00 / 00:00
Abspielen
Schließen
Aufklappen
kein Artikelbild
Loading...
Vorige 10 Sekunden
Zum Vorigen Wechseln
Abspielen
Zum Nächsten Wechseln
Nächste 10 Sekunden
00:00
00:00
1.0x Geschwindigkeit
Burgenland
14.07.2011 15:14
Loading
Kommentare Banner - Die Stimme Österreichs

Da dieser Artikel älter als 18 Monate ist, ist zum jetzigen Zeitpunkt kein Kommentieren mehr möglich.

Wir laden Sie ein, bei einer aktuelleren themenrelevanten Story mitzudiskutieren: Themenübersicht.

Bei Fragen können Sie sich gern an das Community-Team per Mail an forum@krone.at wenden.

16° / 31°
Symbol wolkenlos
15° / 31°
Symbol wolkenlos
14° / 30°
Symbol wolkenlos
15° / 31°
Symbol wolkenlos
16° / 30°
Symbol wolkenlos
Top 3
Kostenlose Spiele
Vorteilswelt

Magazine der Kronen Zeitung