Insgesamt 110 Tote
Zahlreiche Kinder bei Wolga-Unglück hilflos ertrunken
Einsatzkräfte sprachen davon, dass sich mindestens 30 Kinder vor dem Untergang zum Feiern in einem Raum versammelt hatten. Sie seien bei dem Unglück hilflos ertrunken, sagten Helfer nach Angaben der Agentur Interfax.
Am Dienstag hieß es, die Taucher seien bisher noch nicht zu diesem Schiffsteil vorgedrungen. An der Unglücksstelle etwa drei Kilometer vom Ufer entfernt waren weiterhin mehr als 100 Taucher sowie 300 Helfer im Einsatz. Der Zivilschutz kündigte an, die Zahl der Einsatzkräfte noch einmal zu erhöhen, um die Leichen rasch zu bergen. Vorbereitet wurde außerdem ein Großeinsatz zur Bergung der "Bulgaria".
Kaum Rettungswesten an Bord
Viele der Überlebenden gaben den Schiffseigentümern die Schuld an der Tragödie. Die Staatsanwaltschaft sprach nach ersten Erkenntnissen von schweren technischen Mängeln an der "Bulgaria". Demnach soll das Schiff schon beim Ablegen in dem Ort Bolgar zur rechten Seite geneigt gewesen sein und zu tief im Fluss gelegen haben. Zudem sei der Hauptmotor auf der linken Seite technisch mangelhaft gewesen. Überlebende berichteten überdies, dass es kaum Rettungswesten gab.
Nach Darstellung der Ermittler sank die "Bulgaria" auch deshalb innerhalb weniger Minuten, weil die Fensterluken geöffnet waren. Zum Zeitpunkt der Katastrophe, etwa 80 Kilometer von der tatarischen Hauptstadt Kasan entfernt, herrschte ein Unwetter mit starkem Wind und Regenschauern. Die Wellen schlugen nach Darstellung von Augenzeugen zwei Meter hoch.
Rasche Aufklärung und Hilfe zugesagt
Der tatarische Präsident Rustam Minnichanow sicherte den Überlebenden und Hinterbliebenen Aufklärung und Hilfe zu. Er sagte, dass an Bord der verunglückten "Bulgaria" 196 Menschen gewesen seien. Demnach gab es Reisende, die nicht auf der Passagierliste standen. Auch Kremlchef Dmitri Medwedew äußerte sich bestürzt und sprach den Angehörigen sein Beileid aus.
Nach Darstellung Minnichanows waren zwei Schiffe am Sonntag an dem Unglücksort vorbeigefahren, ohne zu helfen. Die Kapitäne müssten bestraft werden, sagte er. Ein nachfolgendes Ausflugsschiff - die "Arabella" - hatte fast 80 Überlebende sowie eine ertrunkene Frau an Bord gezogen und in Kasan an Land gebracht.
Taucher bergen die Leichen
Das Staatsfernsehen zeigte vor Verzweiflung schreiende Menschen, die um die vielen Kinder an Bord der "Bulgaria" weinten. Etwa 100 Taucher waren auf der Wolga im Einsatz und wollten bis Montagabend alle Leichen geborgen haben. Eine Vielzahl der Toten war am Morgen im Inneren des Schiffswracks gefunden worden - in den Kajüten, im Restaurant und in der Bar.
Das Schiff war bei Sjukejewo untergegangen. Das Boot des Reiseanbieters "AgroRetschTur" war um 1955 in der damaligen Tschechoslowakei gebaut worden. Die mehr als 3.500 Kilometer lange Wolga ist der größte Strom Europas und gilt als die wichtigste Wasserstraße Russlands. Wolga-Kreuzfahrten sind auch bei Touristen im Westen beliebt. Laut dem Außenamt waren aber keine Österreicher an Bord.
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