„Krone“-Kolumnist Harald Petermichl hat sich in der neuen Ausgabe von „Ach, übrigens...“ mit dem neuen ÖFB-Chef beschäftigt. Dabei konnte er einen roten Faden in der Karriere des Schwaben entdecken, der schon früh auf den Werdegang des als Professor bekannten Fußballlehrers schließen hätte lassen können.
Während die Große Kreisstadt Backnang an der Murr liegt, hat es sich Heilbronn im Jahre 741 am Neckar gemütlich gemacht. Ein weiterer Unterschied zwischen den beiden Orten besteht darin, dass Heilbronn die reichste Stadt Deutschlands ist und Backnang nicht. Wobei das mit Heilbronn - da werden die wutschnaubenden reichen und neureichen Bewohner*innen von Starnberg nebst Landkreis zustimmen - natürlich Quatsch ist und nur daran liegt, dass Dieter Schwarz, der weltweit 11.000 Supermarktfilialen mit gelbem Logo betreibt, dort lebt und das durchschnittliche Pro Kopf-Einkommen ein wenig verfälscht.
Abgesehen von diesem signifikanten Gegensatz haben Backnang und Heilbronn auch ihre Gemeinsamkeiten und eine davon hat einen Namen, nämlich Ralf Rangnick. Der Fußball-Professor, der am Freitag in einem Wiener Hotel mit dem reizenden Namen „Courtyard by Marriott Vienna Prater/Messe“ als neuer ÖFB-Teamchef präsentiert wurde, ist nämlich gebürtiger Backnanger und hat in seiner aktiven Zeit unter anderem für den heute nicht mehr existierenden VfR Heilbronn gekickt.
Fragt man sich, was um alles in der Welt VfR bedeutet, kommt die Antwort „Verein für Rasenspiele“ und damit ist sonnenklar, dass Rangnick die spätere Tätigkeit bei Rasenball Leipzig quasi schon in die Fußballwiege gelegt worden ist. Jedenfalls kann jemand, der in 66 Spielen für den VfR sechs Tore erzielt hat, kein schlechter Fußballer sein und ein Blick auf ausgewählte Stationen seiner Karriere, wie TSV Lippoldsweiler, SC Korb, SSV Reutlingen 05 und Manchester United macht schnell klar, dass das neunköpfige ÖFB-Präsidium wohl eine gute Entscheidung getroffen hat.
Nach einem Zürcher und einem Rheinhessen nun also ein Schwabe; tatsächlich ist es schon fast elf Jahre her, dass mit Willibald Ruttensteiner zum letzten Mal ein Österreicher, sogar ein Oberösterreicher, auf der Nationalbank Platz genommen hat und aus seiner fünftägigen Amtszeit mit einem Sieg, einem Remis und ohne Niederlage vermutlich eine der besten Bilanzen aller Teamchefs seit Hugo Meisl vorweisen kann, sofern man seine erste interimistische Amtszeit (ebenfalls fünf Tage im Jahr 2005) außer Acht lässt.
Die Latte liegt also hoch für Rangnick, aber er kann das in Ruhe angehen, denn sein Vertrag läuft vorerst für zwei Jahre und verlängert sich bei erfolgreicher Qualifikation für die Europameisterschaft 2024 in Deutschland automatisch um zwei weitere. In einem derart langen Zeitraum ist im Rasensport bekanntlich vieles möglich, lassen wir uns also überraschen.
Da dieser Artikel älter als 18 Monate ist, ist zum jetzigen Zeitpunkt kein Kommentieren mehr möglich.
Wir laden Sie ein, bei einer aktuelleren themenrelevanten Story mitzudiskutieren: Themenübersicht.
Bei Fragen können Sie sich gern an das Community-Team per Mail an forum@krone.at wenden.