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Osama bin Laden wollte Al-Kaida umbenennen
Der Vergleich des Terrornetzwerks mit einem multinationalen Konzern in prekärem Geschäftsfeld stammt aus der Feder des US-Reporters Matt Apuzzo. In einem Bericht für die Nachrichtenagentur AP veröffentlichte er am Freitag unter Berufung auf hochrangige Mitarbeiter der US-Regierung Passagen aus Briefen Osama bin Ladens, die nach der Tötung des Terrorpaten in seinem Haus in Abbottabad sichergestellt worden waren.
Name "Al-Kaida" nicht religiös genug
In den Schreiben, die offenbar an hochrangige Al-Kaida-Funktionäre gerichtet waren, schlägt Bin Laden unter anderem eine Neubenennung seines Terrornetzwerks vor, weil der einst von ihm ersonnene Name "Al-Kaida Al-Jihad" (Basis für den Heiligen Krieg) von Politikern und Medien weltweit auf "Al-Kaida" reduziert worden sei. In dieser Bezeichnung fehle aber der religiöse Aspekt, der Muslimen signalisiere, dass sich die Gruppe in einem heiligen Krieg gegen die Vereinigten Staaten befinde.
Bin Laden schlug zwei Namen vor, die ihm besonders gefallen: "Taifat al-Tawhed Wal-Jihad", was laut Apuzzos Übersetzung "Gruppe Monotheismus und Jihad" bedeutet; oder "Jama'at l'Adat al-Khilafat al-Rashida", was sich mit "Gruppe Wiederherstellung des Kalifats" übersetzen lasse. Den Ausdruck Al-Kaida könne man jedenfalls nicht länger benützen, da die Verkürzung westlichen Politikern die Behauptung erlaube, ihr Krieg richte sich nicht gegen den Islam.
Tatsächlich hatte US-Präsident Barack Obama nach seinem Amtsantritt allen Sprechern und Kabinettsmitgliedern neue Formulierungsregeln auferlegt. Ausdrücke wie "Jihadist" und "Islamist" wurden in der Diktion durch "Terrorist" und "Massenmörder" ersetzt. Obama wurde damals als politisch überkorrekt geschimpft, den Briefen nach traf er mit dieser Strategie jedoch einen Nerv.
"Qualitätsproblem" bei Nachfolgern
In einem weiteren Schreiben kritisiert Bin Laden Personalprobleme innerhalb des Terror-Netzwerks. Es sei nicht gelungen, erfahrene Kämpfer, die man bei Anschlägen geopfert habe, durch gleichwertige neue zu ersetzen. In einem Brief an seinen Stellvertreter, den jetzt zum Al-Kaida-Chef aufgestiegenen Ägypter Aiman al-Zawahiri, ärgert sich Bin Laden auch darüber, dass viele seiner Kommandanten sehr jung seien und er sie nicht persönlich kenne. Ernannt wurden sie von Al-Kaida-Funktionären, die mittlerweile tot oder inhaftiert seien.
Auch habe man versagt, was die Darstellung Amerikas in der muslimischen Welt betrifft. Die Vereinigten Staaten würden bei Weitem nicht überall als die kapitalistische, blutrünstige Nation, die dem Islam den Krieg erklärt habe, wahrgenommen. Und Al-Kaida töte bei seinen Operationen, vor allem im Irak, zu viele Muslime.
Ob die Schreiben jemals verschickt wurden bzw. für wen genau sie bestimmt waren, ließ sich laut Apuzzo bis dato nicht erruieren. Bin Laden benützte zur Verständigung mit Al-Kaida-Kommandanten bekanntlich Kuriere, die die häufig handgeschrieben Briefe persönlich überbrachten. Einer dieser Vertrauensmänner führte den US-Geheimdienst CIA schließlich zum Versteck des Terrorpaten.
Erhielt Bin Laden Hilfe von Extremistengruppe und ISI?
Am Freitag wurde außerdem bekannt, dass ein beim Einsatz in Abbottabad sichergestelltes Mobiltelefon den Verdacht erhärtet, der pakistanische Geheimdienst habe Bin Laden gedeckt bzw. sogar unterstützt. In dem Handy waren Nummern von Mitgliedern der radikal-islamischen Gruppe Harakat-ul-Mujaheddin eingespeichert, die dem pakistanischen Geheimdienst ISI nahesteht.
Die HuM sind eine der ältesten und engsten Verbündeten des Terrornetzwerkes Al-Kaida. Die Organisation wurde in den 1980er-Jahren mithilfe des ISI gegründet, um gegen die Sowjetarmee in Afghanistan zu kämpfen. Durch die Zusammenarbeit dürfte es Bin Laden auch möglich gewesen sein, Anweisungen und Geld an Al-Kaida-Mitglieder in ganz Pakistan zu übermitteln. Er habe sogar seine ganz persönlichen Angelegenheiten mithilfe der Harakat-Mitglieder regeln können, heißt es in einem Bericht der "New York Times".
USA drohen, Pakistan den Geldhahn zuzudrehen
Die US-Regierung setzt Pakistan mittlerweile auch finanziell unter Druck. Außenministerin Hillary Clinton stellte am Donnerstag öffentlich die Milliarden-Hilfen für die Atommacht infrage. Die USA verknüpften "klare Erwartungen" mit den Zahlungen, sagte sie bei einer Kongressanhörung in Washington. "Wir sind nicht bereit, sie weiterhin in der bisherigen Höhe zu leisten, ohne dass wir Fortschritte sehen."
Die USA gaben zuletzt nach offiziellen Angaben rund 2,8 Milliarden Dollar pro Jahr für Pakistan aus. In den vergangenen zehn Jahren belief sich die Unterstützung für die südasiatischen Atommacht insgesamt auf schätzungsweise 15 bis 17 Milliarden. Ein Großteil des Geldes, auf das Islamabad angewiesen ist, fließt an das Militär.
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