Als Polizeichef des faschistischen Ustascha-Regimes soll er die jüdische Gemeinde im kroatischen Pozega zerstört haben. Nun ist er 98-jährig in einem Pflegeheim der Caritas in Klagenfurt gestorben, ohne dass die Vorwürfe jemals gerichtlich geklärt wurden. Gerichtsgutachter hatten Asner, der nach dem Zweiten Weltkrieg nach Österreich geflüchtet war, Verhandlungsunfähigkeit bescheinigt.
Asner stand bis zuletzt auf der Liste der zehn meistgesuchten Kriegsverbrecher des Simon-Wiesenthal-Zentrums. Laut dem kroatischen Historiker Alen Budaj hatte er als ranghoher Ustascha-Polizist in der slawonischen Stadt Pozega "persönlich Dokumente für die Deportation von Juden" unterzeichnet. Die Maßnahmen hätten einen Tag nach seiner Ernennung zum Polizeichef im Mai 1941 begonnen. "Asner hat die jüdische Gemeinde von Pozega zerstört", fasste Budaj seine Erkenntnisse zusammen. Seine Ablöse im Jahr 1942 soll erfolgt sein, weil er in die eigene Tasche gewirtschaftet habe.
Nach Bleiburg in Kärnten geflüchtet
Danach soll Asner einem Geheimdienstbericht zufolge auch Deutschen seine Dienste angeboten haben, falls sie ihm wieder zu seinem ursprünglichen Posten verhelfen. Weil ihm die Ustascha nach diesem "Verrat" nach dem Leben trachtete, flüchtete er im Jahr 1944 nach Zagreb und in den letzten Kriegswirren mit Zehntausenden anderen Ustascha-Anhängern nach Bleiburg im Bezirk Völkermarkt. Anders als die meisten dieser Flüchtlinge, die von den Briten ins kommunistische Jugoslawien und damit in den sicheren Tod geschickt wurden, konnte Asner jedoch in Kärnten bleiben und erhielt im Jahr 1946 die österreichische Staatsbürgerschaft.
Asner selbst beteuerte, dass er im Zweiten Weltkrieg lediglich ein "Verwaltungsbeamter" gewesen sei. Wie sein Anwalt Günther Fornara im Jahr 2008 mitteilte, sei Asner "nie Angehöriger einer Polizeieinheit oder der Ustascha-Bewegung" gewesen. Asner hatte jedoch im Jahr 2004 in einem Interview noch selbst davon gesprochen, nur Monate nach einem Praktikum an der Bezirkshauptmannschaft von Pozega zum Polizeichef gemacht worden zu sein. Vertraute hätten ihm hinter verschlossenen Türen im Schnellverfahren beigebracht, was ein Polizeichef anno 1941 können musste.
Asner in Fanzone bei EURO 2008
Gerichtlich aufarbeitet wurden die Vorwürfe gegen Asner nie. Im Jahr 2005 wurde er zwar in seiner kroatischen Heimat wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit angeklagt, zu einer Auslieferung durch Österreich kam es aber nicht. Zunächst wurde sie verweigert, weil "Georg Aschner" angab, österreichischer Staatsbürger zu sein. Erst später stellte man fest, dass er die österreichische Staatsbürgerschaft verloren hatte, weil er Anfang der 1990er-Jahre die kroatische wieder angenommen hatte.
Ein zweiter Anlauf scheiterte am schlechten Gesundheitszustand Asners. Mehrere Gerichtsgutachten ergaben, dass er schwer dement und nicht verhandlungsfähig ist. Ein Bericht eines britischen Journalisten ließen diese Gutachten jedoch in einem schlechten Licht erscheinen. Denn im Sommer 2008 berichtete ein Reporter von einem Spaziergang Asners in der Klagenfurter Fanzone der Fußball-Europameisterschaft. Asner sei rüstig und geistig völlig klar gewesen. Laut dem Reporter soll er sich auch zu einer Aussage vor Gericht bereit erklärt haben.
"Ein Paradies für Nazis"
Kritiker sahen einen weiteren Beleg für die angebliche Nachlässigkeit der österreichischen Justiz bei der Verfolgung von Nazi-Kriegsverbrechen. Der Wiener Historiker Oliver Rathkolb fühlte sich an den Fall des Wiener Gerichtspsychiaters Heinrich Gross erinnert, dem ein Prozess wegen mutmaßlicher Nazi-Untaten ebenfalls wegen eines medizinischen Gutachtens erspart blieb. Den Direktor des Wiesenthal-Zentrums, Efraim Zuroff, bewog der Fall Asner sogar zur Aussage, Österreich sei "ein Paradies für Nazis". Es gebe absolut keine Rechtfertigung für die andauernde Ablehnung, Asner an seine Heimat auszuliefern.
Die österreichische Justiz sah sich daraufhin veranlasst, dem Eindruck der Befangenheit durch Beauftragung ausländischer Gutachter entgegenzutreten. Das letzte Gutachten über Asner stammt aus dem Jahr 2009. Damals bestätigte der Leiter der Abteilung für Forensische Psychiatrie am Klinikum München, Norbert Nedopil, die Einschätzung seiner österreichschen Kollegen.
Haider gönnte Asner den "Lebensabend"
Zu Asners Fürsprechern zählte übrigens auch der frühere Landeshauptmann Jörg Haider. Dieser hatte sich im Jahr 2008 lobend über die "nette Familie" geäußert. Asner sei "seit Jahren ein Klagenfurter Bürger, der friedlich bei uns lebt". "Er soll seinen Lebensabend bei uns verbringen dürfen." Ein Wunsch, der jetzt seine Vollendung gefunden hat.
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