Gewalt in Syrien
Armee schießt aus Helikoptern auf Demonstranten
UNO-Generalsekretär Ban Ki-Moon verurteilte den Einsatz militärischer Gewalt gegen Zivilisten als "nicht akzeptierbar". In einer Mitteilung der Vereinten Nationen vom Freitag in New York wurde erklärt, Ban sei tief besorgt über die Gewalt in Syrien. Er rief das Regime von Präsident Bashar al-Assad zu wirklichen Reformen auf.
Die USA verurteilen den "abscheulichen Einsatz von Gewalt" in Syrien scharf und verlangen ein sofortiges Ende der Brutalität. In einer Erklärung des Weißen Hauses vom Freitagabend hieß es, dass es diese Art von "entsetzlicher Gewalt" sei, die die USA zur Unterstützung einer Resolution gegen das Regime von Präsident Assad im UNO-Sicherheitsrat führen. In dem von Frankreich, Großbritannien, Deutschland und Portugal vorgelegten Resolutionsentwurf soll die Assad-Regierung für systematische Menschenrechtsverletzungen bei ihrem Vorgehen gegen Regimekritiker verurteilt werden.
Auch der türkische Präsident Abdullah Gül warnte Damaskus vor der weiteren Anwendung von Gewalt. Die Türkei betrachte die Syrer als Nachbarn und Brüder, mit denen es auch familiäre Verbindungen gebe, zitierte die türkische Nachrichtenagentur Anadolu Gül am Freitag in Istanbul.
Syrien warnt vor Einmischungen in "innere Angelegenheiten"
Syrien konterte, indem es die Vereinten Nationen vor einer Einmischung in die inneren Angelegenheit des Landes warnte. Die Annahme einer kritischen Resolution durch den UNO-Sicherheitsrat würde die Situation im Land nur verschärfen, weil dann "Extremisten und Terroristen" ermuntert würden, Syrien weiter zu destabilisieren, schrieb der syrische Außenminister Walid al-Moualem in einem Brief an UNO-Generalsekretär Ban. "Es ist wichtig, dass sich der Sicherheitsrat nicht in die inneren Angelegenheiten von Syrien einmischt, einem Gründungsmitglied der Vereinten Nationen."
Der Außenminister zeigte in dem Brief kein Zeichen der Reue über die Niederschlagung der seit Monaten stattfindenden Proteste gegen Präsident Assad und sein Regime, bei denen nach Angaben von Menschenrechtsgruppen seit März 1.100 Menschen getötet wurden. Stattdessen sprach er von "mörderischen und zerstörerischen Banden", die das Land ins Chaos stürzen wollten.
Parteimitglieder treten aus Protest aus
Der arabische Nachrichtensender Al-Jazeera meldete, neun Mitglieder der regierenden Baath-Partei aus Idlib seien aus Protest gegen die Militäroperation aus der Partei ausgetreten. Die staatlichen syrischen Medien sprachen von einem Einsatz gegen "bewaffnete Banden" in Idlib und behaupteten, diese hätten Felder, Heuschober und Wälder angezündet.
Augenzeugen berichteten auf den Internetseiten der Opposition von Schüssen sowie von Panzern, die in die Kleinstadt Jisr al-Shughour eindrangen. Später hieß es, der Ort gleiche einer Geisterstadt. Ein Großteil der Bevölkerung sei aus der Kleinstadt geflüchtet. Einige Familien seien von der Armee vertrieben worden. Anfang der Woche waren in der Ortschaft nahe der Grenze zur Türkei nach offiziellen Angaben aus Damaskus 120 Soldaten und Polizisten getötet worden. Aus Furcht vor der angekündigten Militäroffensive sind seit Anfang dieser Woche nach Angaben der türkischen Nachrichtenagentur Anadolu schon mehr als 4.300 Menschen in die Türkei geflüchtet.
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