Griechenland-Krise

Hunderttausende protestieren gegen hartes Sparpaket

Ausland
06.06.2011 10:20
Mit der größten Kundgebung seit Monaten haben empörte Griechen in der Hauptstadt Athen bis zum frühen Montagmorgen gegen das harte Sparprogramm der sozialistischen Regierung protestiert. Nach Medienberichten versammelten sich am zentralen Syntagmaplatz vor dem Parlament mehr als 100.000 Demonstranten - die Organisatoren sprachen gar von einer halben Million Menschen.

Aus allen Stadtteilen Athens strömten seit Sonntagabend immer mehr Menschen ins Zentrum. Zu den Protesten aufgerufen hatte die vor allem über das Internet organisierte Bewegung der "Empörten Bürger".

Politiker als "Diebe und Verräter"
Die Menschen beschimpften die Politiker des Landes als "Diebe und Verräter". Es könne nicht sein, dass immer nur die Arbeitnehmer und Rentner den Preis der Finanzkrise zahlen müssen. "Wir haben keine Schulden gemacht, wir zahlen nicht!", skandierten viele Bürger. Kundgebungen mit Tausenden Teilnehmern gab es auch in der nordgriechischen Hafenstadt Thessaloniki und in den Städten Patras, Lamia, Larissa, Volos und Iraklion. Die Proteste verliefen friedlich und sollen am Montagabend fortgesetzt werden.

Noch härteres Sparprogramm vereinbart
Die Regierung unter Ministerpräsident Giorgos Papandreou hat am Freitag ein neues, noch härteres Sparprogramm mit der EU und dem Internationalen Währungsfonds vereinbart. Unter anderem sollen Löhne und Gehälter sowie Pensionen weiter gekürzt werden. Zudem sieht das Vorhaben eine neue Privatisierungsbehörde zum beschleunigten Verkauf von Staatsvermögen vor.

Nur unter der Voraussetzung, dass das Land dieses Sparprogramm einführt, kann Griechenland auf die nächste Tranche der Hilfe aus der EU und dem IWF in Höhe von zwölf Milliarden Euro hoffen. Anderenfalls wird Griechenland pleite sein. Papandreou will am Montagnachmittag seinen Ministerrat über die Maßnahmen unterrichten. Am Mittwoch könnte sich das Kabinett dann auf die Sparmaßnahmen verständigen und diese an das Parlament weiterleiten. Dieses soll das Paket bis Ende Juni billigen.

Keine baldige Rückkehr an den Kapitalmarkt absehbar
Ein zweites Rettungspaket wird notwendig, weil sich der bisherige Plan nicht halten lässt, dass Griechenland ab dem Frühjahr 2012 an den Kapitalmarkt zurückkehrt. Bleibt der Weg wegen zu hoher Zinsen länger versperrt, würde bis Ende 2013 ein Haushaltsloch von 65 Milliarden Euro aufreißen. Ein Jahr später wären es schon 132 Milliarden Euro. Das bisherige, seit gut einem Jahr laufende Kreditprogramm ist bereits 110 Milliarden Euro schwer.

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