Mo, 19. November 2018

Suche nach Ursprung

31.05.2011 14:43

Spanische Gurken nicht Auslöser der EHEC-Infektionen

Der auf spanischen Gurken in Hamburg entdeckte EHEC-Erreger hat offenbar nicht die heftige Erkrankungswelle in Norddeutschland ausgelöst. Das habe eine Untersuchung von zwei der drei aus Spanien stammenden sichergestellten Gurken ergeben, sagte Hamburgs Gesundheitssenatorin Cornelia Prüfer-Storcks am Dienstag. Die Quelle der schrecklichen Darmseuche ist nach wie vor unklar.

Es zeigte sich bei den zwei Proben keine Übereinstimmung mit dem Erreger des Typs O104, die aus den Stuhlproben der Patienten isoliert wurden.

Zwar seien auf den Gurken EHEC-Erreger nachgewiesen worden, allerdings nicht der Stamm, der die Erkrankungen ausgelöst habe. "Nach wie vor ist die Quelle nicht identifiziert." Die Ergebnisse zweier weiterer Proben lägen noch nicht vor. Die Warnung in Hamburg bleibe daher aufrecht, keine Gurken, Tomaten und Salate zu essen.

Spanien: "Wir haben recht gehabt"
Nach den Ergebnissen der EHEC-Laboruntersuchungen forderte Spanien die sofortige Wiederaufnahme des Handels mit spanischem Gemüse. "Nun zeigt sich, dass spanische Gurken nicht der Auslöser der EHEC-Infektionen waren", sagte die spanische Agrarministerin Rosa Aguilar am Dienstag. "Wir haben recht gehabt."

Die spanische Regierung zieht nun außerdem Entschädigungsforderungen an Deutschland in Betracht. Deutschland habe Spanien ohne Beweise die Schuld für die Infektion zugeschoben und der spanischen Landwirtschaft damit irreparablen Schaden zugefügt, so Aguilar. Die Unterstellungen hätten bei den dortigen Produzenten einen Schaden von wöchentlich 200 Millionen Euro angerichtet.

Spanien wehrte sich bereits zuvor gegen Vorwürfe
Bereits vor den Laboruntersuchungen wehrte sich Spanien gegen die Vorwürfe, für die tödliche Seuche verantwortlich zu sein. Spaniens Gemüse sei "sicher", so die spanische Agrarministerin. Die Ursache der Infektionen solle man in Deutschland suchen, nicht in Spanien. "Man soll aufhören, auf Spanien zu schauen", sagte die Ministerin. Deutschland müsse so schnell wie möglich die Ursache der Infektionen klären. "Wir sind enttäuscht von der Art, wie Deutschland mit dieser Krise umgegangen ist."

Keine EHEC-Erreger in Spanien gefunden
Dass die Ursache nicht in Spanien liegen könne, werde auch dadurch deutlich, dass dort niemand an EHEC erkrankt sei. Es gebe lediglich zwei EHEC-infizierte Spanier, diese hätten sich die Infektion aber bei einer Reise in Deutschland zugezogen, sagte Aguilar. In Spanien sei der EHEC-Erreger nicht gefunden worden.

Die Ministerin sagte, dass die Lebensmittelsicherheitskontrollen in ihrem Land weit strenger seien als die EU-Normen. Madrid wolle auf EU-Ebene nicht nur für die heimische Landwirtschaft, sondern für alle von der EHEC-Krise betroffenen europäischen Landwirte Entschädigungen verlangen.

EU-Kommission warnte vor Beschuldigungen
Auch die EU-Kommission warnte vor Schuldzuweisungen an ein Land im Zusammenhang mit der Suche nach der Ursache des Darmseuche-Erregers. Zu den allfälligen Entschädigungszahlungen sagte ein Sprecher, diese müssten bei der Kommission angemeldet werden und dies sei von Fall zu Fall zu bewerten. Bisher habe es aber keine solche Anfragen gegeben.

Erster Todesfall außerhalb Deutschlands
Unterdessen hat der gefährliche Darmkeim erstmals einen Todesfall außerhalb Deutschlands gefordert. Eine 50 Jahre alte Schwedin dürfte sich bei ihrem Aufenthalt in Deutschland mit dem aggressiven Erreger infiziert haben. Wie das behandelnde Krankenhaus mitteilte, konnte die Frau nicht gerettet werden.

Auch in Deutschland ist wieder ein Opfer zu beklagen. In Nordrhein-Westfalen erlag in der Früh eine 87-jährige Frau in einem Paderborner Krankenhaus der Infektion mit dem aggressiven Darmbakterium. Nach Angaben der Kreisverwaltung war die auch an Vorerkrankungen leidende Frau seit dem 23. Mai wegen schweren Durchfalls stationär behandelt worden. Das sogenannte hämolytisch-urämische Syndrom sei nicht nachgewiesen worden.

HUS kann durch EHEC-Erreger ausgelöst werden und zu Nierenversagen führen. Bereits in den letzten zwei Tagen sind in derselben Gegend zwei Frauen verstorben. Sowohl bei der 47-Jährigen als auch bei der 91-Jährigen war die Durchfallerkrankung mit HUS aufgetreten. Mittlerweile sind in Deutschland bereits 15 Menschen an der Durchfallerkrankung gestorben. In 13 der Fälle handelt es sich um Frauen.

Österreicher fürchten Darmkrankheit
Aufgrund der zahlreichen EHEC-Erkrankungen in Deutschland fürchten sich auch viele Österreicher vor der Darmkrankheit. Die Angst vor dem gefährlichen EHEC-Keim ist so groß, dass eine Mehrheit der Österreicher vorerst weitgehend auf Gemüse verzichtet. "Durch den Skandal mit den angeblich verseuchten spanischen Gurken kaufen die Konsumenten auf einmal nur mehr ein Viertel der üblichen Gemüsemenge", so Gerald König, Vorstand von LGV-Frischgemüse, dem größten österreichischen Gemüseproduzenten. Die derzeitige Lage sei für die Gemüsebauern "existenzbedrohend", betonte der LGV-Chef.

Der Wiener Sozialmediziner Michael Kunze rechnet aber nicht damit, dass gesundes Grünzeug dauerhaft vom Speisezettel gestrichen wird: "Das wäre ein höchst unerfreulicher Kollateralschaden. Die Verunsicherung der Bevölkerung ist verständlich. Es ist beunruhigend, auch weil wir den EHEC-Erreger in dieser Ausprägung noch nicht hatten."

Für verunsicherte Konsumenten hat das Gesundheitsministerium eine österreichweite Info-Hotline eingerichtet. Über die Telefonnummer 050/555-555 der Gesundheitsagentur AGES können sich Interessierte von 8 bis 17 Uhr über EHEC informieren.

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