Hilfe für Flüchtlinge

Museumsdirektor holt Familie aus der Ukraine

„In der Nacht auf eine unbekannte Grenze zuzufahren ist nicht einfach“, sagt Alfred Weidinger, Direktor des Landesmuseums, erschöpft, müde, aber zufrieden. In einer mutigen Aktion hatte er in den letzten zwei Tagen eine ukrainische Künstlerin mit ihrem Baby und ihren Eltern vom ukrainischen Ushgorod mit dem Auto nach Linz geholt.

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„Ich habe über Kontakte im Kunstbetrieb erfahren, dass Maria Kulikovska auf der Flucht vor dem Krieg ist und in Ushgorod feststeckt“, erzählt Alfred Weidinger, Linzer Museumsdirektor. Er beschloss kurzerhand zu helfen: „Ich sehe die Ukrainer nicht als Flüchtlinge, sondern als Menschen. Wir können die Künstlerin in einem Förderprogramm unterbringen, darum musste ich das tun!“, ist er überzeugt. „Ich habe mich über die Gefahrenlage gut informiert. Dann bin ich ins Auto gestiegen und losgefahren.“

Hürden bei der Grenze
Seine siebenstündige Hinreise führte ihn über Budapest nach Tschop: „Ich fuhr in der Nacht auf die Grenze zu, die Ungarn schickten mich zuerst zurück“, erzählt er. „Doch ich kehrte um und probierte es noch einmal, diesmal ließ man mich durch. Die ukrainischen Grenzbeamten waren dagegen freundlich, ich bekam den Einreisestempel und fuhr weiter.“

Nacht im Auto
In Ushgorod, das nicht mehr weit von der Grenze liegt, fand er kein Quartier: „Ich übernachtete im Auto, kalt, aber es ging.“ Dann holte er die Künstlerin Maria Kulikovska mit ihrem kleinen Baby und die Eltern ab. Die Familie, die aus Kiew stammt, war auf der Flucht in einem Wohnhaus untergekommen. Der Kindesvater blieb zurück, junge Männer dürfen nicht ausreisen. Er könnte bald eingezogen werden.  „In Ushgorod waren die Geschäfte offen, aber nur wenige Leute auf der Straße“, erzählt Weidinger. „Man spürt die Nervosität. Hundert Kilometer weiter weg wird schon geschossen.“

Mehr als ein Zeichen
Die Künstlerin darf vorerst mit der Familie drei Monate im Rahmen eines Kunstförderprogramms bleiben. Das Linzer Schlossmuseum zeigte vor zwei Wochen das erste Mal Flagge und beleuchtete die Fenster in Blau und Geld, den Farben der Ukraine, wir berichteten. „Das war ein Zeichen, doch jetzt müssen wir richtig helfen, wenn wir können“, betont Weidinger. Die Abholaktion sei mit dem Landeshauptmann abgesprochen gewesen.

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