15.03.2022 15:01 |

Hacker gegen Zensur

Website erlaubt SMS an zufällig ausgewählte Russen

Durch strikte staatliche Zensur, die unter anderem verbietet, den Krieg als solchen zu bezeichnen, erhalten Russen keine unabhängigen Informationen über Putins Einmarsch in der Ukraine. Eine Hackergruppe aus Polen will das nun ändern und hat eine Website erstellt, auf der sich jeder Internetnutzer die Telefonnummer eines Russen zulosen lassen kann, um ihn persönlich über die Vorgänge in der Ukraine zu informieren.

Artikel teilen
Drucken
Kommentare
0

In den letzten Wochen haben Anonymous-Aktivisten zahlreiche kreative Methoden erdacht, um mit russischen Internetnutzern in Kontakt zu treten. Es wurden Restaurantbewertungen auf Google Maps, Tinder-Profile oder Elektro-Tankstellen zweckentfremdet, um Botschaften gegen den Krieg an der Zensur vorbei zu schleusen und sie in Russland zu verbreiten.

Nun gibt es mit der Website 1920.in einen weiteren unkonventionellen Kommunikationskanal nach Russland. Er erlaubt dem Nutzer die direkte Kontaktaufnahme mit Russen per SMS, WhatsApp oder E-Mail.

Squad 303 unterstützt Anonymous
Erstellt hat die Website ein Team polnischer Hacker namens Squad 303. Die Gruppe hatte sich - siehe Video - dem Anonymous-Cyberkrieg gegen Putin angeschlossen. Die Hacker verwenden für die Website eine Datenbank mit Millionen E-Mails-Adressen und Telefonnummern russischer Bürger, die zuvor im Netz veröffentlicht wurde.

Nutzer der Website können sich einen Kontakt in Russland zuweisen lassen und diesem vorgefertigte Nachrichten gegen den Krieg senden oder auch einige persönliche Worte zukommen lassen.

„Eure Medien werden zensiert, der Kreml lügt“
Einige User haben den Prozess automatisiert und senden mit Bots Nachrichten nach Russland. In den vorgefertigten Botschaften in kyrillischer Schrift heißt es etwa: „Liebe Russen, eure Medien werden zensiert, der Kreml lügt.“ Oder auch: „Findet die Wahrheit über die Ukraine im freien Internet und in der Telegram-App heraus. Es ist Zeit, Diktator Putin zu stürzen.“

Auf Twitter berichten Nutzer der Website, dass sie tatsächlich Antworten erhielten. Für die Russen, deren Kontaktdaten in der Datenbank enthalten sind, können die Chats allerdings gefährlich werden. Das kürzlich eingeführte Zensurgesetz sieht bis zu 15 Jahre Haft vor, wenn russische Bürger beim Thema Ukraine der Darstellung des Kreml widersprechen.

Kommentare
Eingeloggt als 
Nicht der richtige User? Logout

Willkommen in unserer Community! Eingehende Beiträge werden geprüft und anschließend veröffentlicht. Bitte achten Sie auf Einhaltung unserer Netiquette und AGB. Für ausführliche Diskussionen steht Ihnen ebenso das krone.at-Forum zur Verfügung.

User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB).

Montag, 16. Mai 2022
Wetter Symbol