Streaming & TV gehackt

Anonymous zeigt Russen, was sie nicht sehen dürfen

Digital
07.03.2022 16:32

Das Hackerkollektiv Anonymous meldet einen weiteren erfolgreichen Hack in Russland. In der „größten Anonymous-Operation, die es je gab“ sei es gelungen, mehrere TV-Kanäle und populäre russische Streaming-Dienste zu infiltrieren und den Russen dort Aufnahmen zu zeigen, die sie nach den Vorgaben der staatlichen Zensur eigentlich nicht sehen dürften: Videos des russischen Angriffskriegs in der Ukraine.

Anonymous präsentiert auf Twitter Videoaufnahmen, auf denen den Aktivisten zufolge zu sehen ist, was die gehackten TV-Sender gezeigt haben. Laut dem Posting sei es gelungen, die Kanäle Moscow 24, Channel One und Russia 24 zu hacken und dort Videoaufnahmen von der Front zu zeigen.

Mit Wink und Ivi - ein lokales Streaming-Angebot, das an das in Russland mittlerweile nicht mehr verfügbare US-Pendant Netflix erinnert - habe man außerdem zwei große Streaming-Anbieter infiltriert. Auch dort seien Videos aus der Ukraine platziert worden, die russische Medienkonsumenten normalerweise nicht zu sehen bekommen würden.

„Normale Russen sind gegen den Krieg“
Am Ende der gezeigten Szenen taucht eine Anonymous-Nachricht an die russische Bevölkerung auf. Darin fordert man die Russen auf, die Invasion der Ukraine zu stoppen. „Die normalen Russen sind gegen den Krieg“, heißt es weiter. Die jüngsten Hacks wurden unter anderem von der britischen Zeitung „Metro“ und in ukrainischen Medien aufgegriffen, auch im Online-Forum Reddit verbreiten sich die Videos rasant.

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Selbst wenn die russischen Fernsehsender noch so sehr versuchen, solche Bedrohungen abzuwehren, sind diese berüchtigten Hacker zu entschlossen. Man kann ihre Hacks nicht vollständig verhindern.

Jake Moore, ESET

Der IT-Security-Experte Jake Moore vom slowakischen Anbieter ESET sagt im Gespräch mit „Metro“: „Die ausdauernden Attacken der ‚Hacktivisten‘ von Anonymous zeigen, dass nur sehr wenige Organisationen vor einer Online-Invasion sicher sind. Selbst wenn die russischen Fernsehsender noch so sehr versuchen, solche Bedrohungen abzuwehren, sind diese berüchtigten Hacker zu entschlossen. Man kann ihre Hacks nicht vollständig verhindern.“

Anonymous handle aus anderen Motiven als Kriminelle. Das mache die Abwehr der berüchtigten Hacker so schwer, weiß IT-Security-Experte Jake Moore. (Bild: flickr.com/Vincent Diamante)
Anonymous handle aus anderen Motiven als Kriminelle. Das mache die Abwehr der berüchtigten Hacker so schwer, weiß IT-Security-Experte Jake Moore.

Moore verweist im Zusammenhang mit Anonymous darauf, dass Hacker generell oft als Kriminelle eingeordnet würden, die Computer mit Schadcode infizieren und Geld erpressen. „Anonymous verfolgt aber einen anderen Ansatz und greift mit gänzlich unterschiedlicher Motivation an. Das macht die Prävention oftmals noch schwieriger.“

Hacker wollen Russen an Zensur vorbei informieren
Anonymous verfolgt mit seinen Aktionen vor allem ein Ziel: Die russische Öffentlichkeit soll, an der staatlichen Zensur vorbei, über den Angriffskrieg in der Ukraine und das damit verbundene Leid informiert werden. Dafür müssen Online-Angebote nicht zwingend gehackt werden: Anonymous-Aktivisten platzierten Anti-Kriegs-Botschaften und in Russland zensierte Informationen auch schon in Restaurantbewertungen auf Google Maps und auf Tinder.

Anonymous hatte kurz nach Beginn des russischen Angriffs auf die Ukraine der Putin-Regierung den Cyberkrieg erklärt. In einem Twitter-Video kündigte man Vergeltung an. Die Attacken auf russische Websites seien „erst der Anfang“. Anonymous droht in dem Video: „Ihre Geheimnisse sind möglicherweise nicht mehr sicher und es besteht die Möglichkeit, dass Schlüsselinfrastruktur ihrer Regierung gekapert werden könnte.“

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