Sa, 20. Oktober 2018

Erste Erkenntnisse

27.05.2011 15:57

Airbus-Drama über Atlantik dauerte dreieinhalb Minuten

Zwei Jahre nach der Air-France-Katastrophe über dem Atlantik mit 228 Toten haben die französischen Experten der Luftfahrtermittlungsbehörde BEA die letzten Minuten des Fluges AF 447 teilweise rekonstruiert. Demnach hat der Absturz des Airbus auf dem Weg von Brasilien nach Frankreich dreieinhalb Minuten gedauert, wobei der Pilot das Cockpit wenige Minuten zuvor verlassen hatte, um sich auszuruhen. Die BEA wertet derzeit die beiden Flugschreiber der Unglücksmaschine aus, wobei die Ursachen des Absturzes jedoch nach wie vor unklar sind.

Das Flugzeug der französischen Linie Air France ist laut BEA am 1. Juni 2009 auf dem Weg von Rio de Janeiro nach Paris in eine Schlechtwetterfront geraten, auf das die beiden Co-Piloten die übrige Besatzung noch hingewiesen hätten. "Wir müssten in eine Zone geraten, in der es ein bisschen wilder als jetzt hergeht", sagte demnach ein Co-Pilot. Während der Turbulenzen seien dann widersprüchliche Geschwindigkeitsanzeigen auf den Bildschirmen im Cockpit erschienen. Eine Anzeige habe die Piloten auf einen "brutalen Abfall" der Geschwindigkeit hingewiesen, erklärte die Behörde.

Co-Pilot: "Keine verlässliche Angabe mehr"
Die Co-Piloten hätten nach dem Kapitän gerufen, der sich ausruhen gegangen sei - den Angaben zufolge ist es bei einem Flug mit dieser Art der Besatzung durchaus üblich, dass jeweils einer der drei Piloten sich hinlegen kann, sofern die beiden anderen im Cockpit bleiben. Erst nach mehrmaligen Rufen sei der Kapitän zurückgekommen, erklärte die BEA. Das Steuer habe er von dem Co-Piloten aber nicht übernommen. "Wir haben überhaupt keine verlässliche Angabe mehr", sagte einer der Co-Piloten knapp zweieinhalb Minuten vor Ende der Aufzeichnungen.

Der französische Nachrichtensender France Info hatte am Donnerstagabend unter Berufung auf die Ergebnisse der BEA berichtet, die Besatzung habe die abstürzende Maschine mit einem "klassischen" Verfahren zu retten versucht, das in der Ausbildung gelehrt werde. Dieses Vorgehen sei in dem Fall aber "ungeeignet und wirkungslos" gewesen. Der Sender ließ jedoch offen, welches Prozedere genau damit gemeint sein könnte. "Ich verstehe gar nichts", habe jedenfalls einer der Piloten kurz vor dem Aufschlagen des Flugzeuges auf der Meeresoberfläche gesagt, berichtete der Sender.

Erste Erkenntnisse klären noch nicht Unglücksursachen
Die Ermittlungsbehörde erklärte am Freitag, sie veröffentliche "erste Feststellungen" über die Umstände der Katastrophe, weil bereits "bruchstückhafte und mehr oder weniger widersprüchliche Informationen" an die Medien durchgesickert seien. Es handle sich aber "auf keinen Fall um die Ursachen" der Tragödie. Ein Etappenbericht soll laut BEA bis Ende Juli vorliegen.

Die beiden "Black Boxes" waren erst vor wenigen Wochen in knapp 4.000 Metern Tiefe auf dem Meeresgrund gefunden worden. Bis heute ist nicht geklärt, weshalb der Airbus der Air France am 1. Juni 2009 mit 228 Menschen an Bord ins offene Meer stürzte. Gegen die Fluggesellschaft und den europäischen Flugzeugbauer Airbus ermittelt die französische Justiz wegen fahrlässiger Tötung.

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