26.02.2022 07:40 |

Selenskyj will bleiben

Russischer Ansturm auf Kiew: Schüsse und Kämpfe

Die russische und die ukrainische Armee kämpfen erbittert um die Kontrolle über die Hauptstadt Kiew. Im Zentrum waren in der Nacht immer wieder Explosionen und Gefechtslärm zu hören, die offenbar von Kämpfen am Stadtrand stammen. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj befindet sich noch in Kiew - und will dort auch bleiben: „Wir werden die Waffen nicht niederlegen!“, sagte er am Samstagmorgen. Der Sekretär des ukrainischen Sicherheitsrates, Oleksij Danilow, hatte zuvor betont, dass „wir unser Bestes geben, die Horden zu stoppen“. Derzeit sei Kiew „unter Kontroller der Ukraine und seiner Bürger“.

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Russische Truppen versuchten, das Heizkraftwerk Nr. 6 anzugreifen, teilte ein Amt für Behördenkommunikation mit. Die ukrainische Armee verteidige sich. Das Kraftwerk liegt im äußersten Nordosten der Millionenstadt auf dem rechten Ufer des Flusses Dnipro. Auch von anderen Stellen auf dem rechten Ufer gab es Berichte über Explosionen und Schüsse aus automatischen Waffen. Die Armee teilte mit, dass ein russischer Angriff auf einen strategisch wichtigen Militärstützpunkt zurückgeschlagen werden konnte. Dieser befindet sich auf der Siegesstraße, einer der wichtigsten Einfahrtsstraßen nach Kiew.

Ukraine meldet Abschüsse von Transportflugzeugen
Das Onlinemedium „Kyiv Independent“ berichtete von „mehr als 50 Explosionen“ in den Stadtteilen Schuljawka und Zoopark sowie bei der Metrostation Berestejska, wo sich eine ukrainische Armeeeinheit verschanzt haben soll. Die ukrainische Armee verkündete indes den Abschuss von zwei Transportflugzeugen des Typs Iljuschin II-76, in denen sich russische Fallschirmjäger befunden haben sollen. Eines soll bei Bila Tserkwa rund 80 Kilometer südlich von Kiew abgeschossen worden sein, das zweite beim Luftwaffenstützpunkt Wassylkiw etwa 40 Kilometer südlich von Kiew. Um den Stützpunkt wurde demnach heftig gekämpft.

Selenskyj: „Sonderzeichen entfernen, wo sie auftauchen“
Selenskyj hatte am späten Freitagabend von einer entscheidenden Nacht gesprochen. „Das Schicksal des Landes entscheidet sich gerade jetzt. Der Feind wird alles seine Kräfte einsetzen, um unseren Widerstand zu brechen“, sagte Selenskyj. „In dieser Nacht setzen sie zum Sturm auf Kiew an.“ Er rief alle Ukrainer auf, „den Feind wo auch immer möglich aufzuhalten“. Die Bevölkerung sollte alle Sonderzeichen entfernen, die Saboteure an Straßen und Häusern anbringen - wie manche Berichte zeigen, dürfte das auch auf Dächern geschehen (siehe Tweet oben). „Verbrennt die feindliche Militärtechnik mit allem, was zur Verfügung steht!“

Sollten die Angreifer auch Kindergärten ins Visier nehmen, sollten sie daran gehindert werden, so Selenskyj weiter. „Alle Gebete sind mit unseren Soldaten. Wir glauben an sie. Sorgt für sie!“

Video an Volk: „Wir sind alle hier und verteidigen die Ukraine“
Selenskyj hatte sich zuvor in einem kurzen Videoclip mit Regierungschef Denys Schmyhal und weiteren ranghohen Politikern auf einer Straße in der ukrainischen Hauptstadt gezeigt. „Wir sind alle hier“, sagte er. Dazu schrieb er: „Wir sind in Kiew. Wir verteidigen die Ukraine.“ Damit reagierte Selenskyj, der wie die anderen Spitzenpolitiker ein Uniformhemd trug, auf Gerüchte, er verstecke sich in einem Bunker oder habe die Stadt verlassen. 

Genaue militärische Lage bleibt undurchsichtig
Schon untertags hatte es geheißen, die russische Armee sei bei ihrem Angriffskrieg auf die Ukraine bis in die Hauptstadt Kiew vorgedrungen. Das ukrainische Verteidigungsministerium meldete am Freitag russische „Saboteure“ im nördlichen Stadtbezirk Obolon. Außenminister Dmytro Kuleba berichtete zudem von „schrecklichen russischen Raketenangriffen“ auf die Millionenstadt. Die russischen Truppen hatten zuvor auch den strategisch wichtigen Flugplatz Hostomel nordwestlich der Hauptstadt eingenommen und dort eigenen Angaben zufolge 200 Ukrainer „neutralisiert“. Die genaue militärische Lage ist aber weiterhin undurchsichtig.

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